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BREXiT
Hans-Jürgen Leersch
Kein globaler Player mehr

Ohne Finanzplatz London wird die EU zweitrangig

Mit dem Austritt Großbritanniens aus der EU verliert die Gemeinschaft ihren wichtigsten internationalen Finanzplatz. Auf dieses Faktum wie die Deutsche Bundesbank in einer Anhörung des Finanzausschusses zum Brexit-Steuergesetz (19/7377) in der vergangenen Woche hin. London ist mit rund 400.000 Beschäftigen im Finanzsektor größer als die sechs größten verbleibenden Finanzplätze in der EU zusammen. Das sind Paris (147.000 Beschäftigte), Frankfurt am Main (75.000), München (60.000), Luxemburg (45.000), Amsterdam (44.000) und Dublin (23.000). Mit Zürich (90.000 Beschäftigte) und Genf (37.000) befinden zwei weitere wichtige europäische Finanzplätze auch außerhalb des EU-Bereichs.

Bundesbank-Vorstandsmitglied Joachim Wuermeling machte deutlich: "Wir verlieren als Europäer den einzigen global relevanten Finanzplatz, den wir hatten." Da London auch außerhalb der EU ein wesentlicher Finanzplatz bleiben werde, würde ein erschwerter oder gänzlich unterbrochener Zugang nach London die Geschäftsmöglichkeiten hiesiger Institute in einigen Bereichen erheblich einschränken.

Daher betrifft der Brexit die deutschen Banken stark, zumal sich die Branche in einer schweren Krise befindet, wie nicht zuletzt die Aktienkursentwicklung der größten Institute Deutsche Bank und Commerzbank zeigt. Weitere Institute wie HSH Nordbank und Norddeutsche Landesbank mussten erst kürzlich mit Milliardensummen gestützt werden.

Mit dem von der Bundesregierung geplanten Brexit-Steuergesetz zeigte sich die Deutsche Kreditwirtschaft, der Zusammenschluss der Bankenverbände, recht zufrieden. Auch die Deutsche Bundesbank sieht die Vorbereitungen auf den Brexit in vielen Bereichen und besonders bei den Kreditinstituten "weit vorangeschritten und teilweise auch schon erfolgreich abgeschlossen". Änderungsbedarf meldete die Kreditwirtschaft in Detailfragen an, zum Beispiel bei der Übertragung von Wertpapieren von einem Depot in Großbritannien auf ein Depot in Deutschland, um Steuermehrbelastungen zu vermeiden.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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