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Fachgespräch
L. Brüßler und A. Rollmann
Kollege Roboter: Zwischen Skepsis und Perspektiven

Maschinen können Pflegekräfte zwar nicht ersetzen, aber sie unterstützen

Kaum ein gesellschaftlicher Bereich ist von der Alterung der Bevölkerung so stark betroffen wie die Pflege: "Aktuell gibt es in Deutschland bereits 3,5 Millionen Pflegebedürftige und die Zahl könnte bis 2030 auf über vier Millionen ansteigen", berichtete Christoph Kehl vom Büro für Technikfolgenabschätzung beim Bundestag. Welche gesellschaftlichen Herausforderungen daraus erwachsen, damit beschäftigte sich vergangene Woche der Ausschuss für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung im öffentlichen Fachgespräch "Robotik und assistive Neurotechnologien in der Pflege". Aktuell entfallen etwa acht bis zehn Millionen Euro auf Forschungsprojekte zur Pflegerobotik.

Entlastung der Pflegekräfte Die Robotik habe in den vergangenen Jahren erstaunliche Fortschritte gemacht, sagte Kehl. Ältere Menschen könnten teilweise mithilfe von maschineller Unterstützung länger zu Hause wohnen bleiben und auch in der Altenpflege könnten Roboter Routinetätigkeiten übernehmen und damit dringend benötigte Entlastung für das Pflegepersonal schaffen. Gleichwohl müsse man fragen, ob und wie sich Roboter sinnvoll in das zwischenmenschliche Pflegehandeln integrieren ließen. Hier gehe es um fundamentale Wertfragen Birgit Graf vom Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung machte deutlich, dass Pflegeroboter mit umfangreichen physischen Interaktionsfähigkeiten und einem autonomen Verhalten noch mehr der Forschung als der Realitätzuzuordnen seien.

Therapeutische Pflegerobben Im therapeutischen Bereich werden Roboter bereits seit einiger Zeit eingesetzt berichtete Anna Grohmann von der Wolfsburg AG und stellte die Roboter-Robbe Paro (siehe Bild) vor. Mit Hilfe von eingebauten Sensoren könne Paro sowohl Helligkeit und Geräusche als auch Berührungen registrieren und passend reagieren. Untersuchungen belegten, dass der Einsatz positive Auswirkungen auf die Kommunikation, das Sozialverhalten und die Medikation bei älteren und kranken Menschen habe, berichtete sie.

Auf den Mangel an wenig systematischen Wissen über digitale Transformationsprozesse des Pflegehandelns im Gesundheitswesen wies Bettina-Johanna Krings vom Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse (ITAS) hin. Für ein vertieftes Verständnis sei die Förderung von Ex-ante/Ex-post-Analysen nötig, plädierte sie.

Aus ethischer Perspektive eröffneten sich sowohl Chancen als auch Risiken, sagte Oliver Bendel von der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW). In der Pflegerobotik stehe die Maschinenethik noch ganz am Anfang. Insbesondere müsse erforscht werden, ob und wie selbstlernende Systeme zum Einsatz kommen sollen. Eine mögliche Option für Pflegebedürftige sehe er in einer speziellen Patientenverfügung, in der der Einsatz von Operations-, Therapie- und Pflegerobotern geregelt werden könne.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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