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Aschot Manutscharjan
Kurz rezensiert

"Kein Neger, Chinese oder Mulatte soll das Wahlrecht haben", verkündete ein offizielles Dokument des Staates Oregon 1857. In den USA wurde noch 100 Jahre nach Gründung den "Colours", darunter auch die indigenen Amerikaner, nicht nur das Wahlrecht vorenthalten, sondern auch die US-Staatsangehörigkeit. Erst mit dem 14. und 15. Zusatzartikel zur US-Verfassung wurde das Unrecht korrigiert. Dessen ungeachtet verabschiedete der Kongress noch 1924 einen Immigration Act, wonach Italienern, Ungarn und Juden die Einwanderung "aus eugenischen Sicht" nahezu vollständig untersagt wurde. Die amerikanische Historikerin Jill Lepore führt diese Fakten an, um zu belegen, dass die nationalistische Politik der "weißen Amerikaner" unter Präsident Donald Trump genauso alt ist wie die Vereinigten Staaten selbst. Er sei nicht der Erste, der mit Parolen wie "America First" von sich Reden macht.

Lepore geht in ihrem brilliant geschriebenen und informativen Essay der Frage nach, wie der amerikanische Nationalismus entstanden ist und welche historischen Etappen das Land durchlief, bevor mit Trump ein Nationalist an die Macht gewählt wurde. Die Autorin deutet die Geschichte der USA als eine Auseinandersetzung zwischen den liberalen und illiberalen Visionen des Nationalismus: Zwischen dem Patriotismus "einer liberalen Nation, der jeder Mensch angehört, der ihre bürgerlichen Ideale teilt" und einer rassistischen Haltung weißer Männer, die einen "Blut- und Boden-Nationalismus" propagieren.

Lepore beschuldigt liberale Politiker, Historiker und Publizisten, den Aufstieg des modernen Nationalismus im Land nicht ernst genommen zu haben. Während seriöse Historiker "den Patriotismus verachteten und die Verteidigung amerikanischer bürgerlicher Ideale aufgaben", hätten die Amerikaner lieber die Bücher der Nationalisten gelesen. Einige von diesen populären Büchern wurden mehrere Millionen Mal verkauft.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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