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Aufgekehrt
Claus-Peter Kosfeld
Ich war dabei

Die Coronakrise hält uns gefangen, manche sagen, zum Glück. Manchmal ist ein harter Schnitt nötig, um endlose und ergebnislose politische Debatten einfach mal mit drastischen Fakten zu überflügeln. Klima-Greta hält tapfer ihr Pappschild hoch, Umweltaktivisten fordern ein Ende von Kohle, SUV's und Flugverkehr, aber in den Parlamenten tut sich nix, mit Greta wollen alle nur Selfies. Jetzt steht in China die Produktion still samt Verkehr, die Leute hocken zu Hause und spielen Tic-Tac-Toe und siehe da: Die Umweltwerte werden schlagartig besser. Weniger Feinstaub, weniger Smog. Satellitenbilder von NASA und ESA zeigen, die Luft ist endlich besser geworden in China, viel besser, und das in wenigen Wochen! Der Stickstoffdioxid-Ausstoß hat auf den Satellitenbildern von Rostbraun (schlecht) ins Himmelblaue (gut) gedreht. In Peking sollen Kinder erstmals bemerkt haben, dass am Nachthimmel Sterne zu sehen sind. Wenn das kein großes Glück ist!

Und es kommt noch schöner. Haben wir nicht unlängst erst festgestellt, dass Venedig von Touristen ruiniert wird? Sind die Arbeitnehmer nicht längst einen Schritt vom Burnout entfernt und brauchen dringend Pause? Sollten sich nicht auch Abgeordnete mal zum Homeoffice-Nickerchen zurückziehen dürfen? Ist es vielleicht nicht erfreulich, wenn in einem Fußballstadion mal kein Anti-Hopp-Plakat hochgehalten wird, weil kein Fan da ist, der es halten könnte? Gab es je eine verlockendere Möglichkeit, Aktien billig zu kaufen?

Und wem das alles noch nicht Grund genug ist, aus der Katastrophe Kraft zu ziehen, der möge sich in dieser historischen Stunde wenigstens zugutehalten: Ich war dabei!Claus Peter Kosfeld

Aus Politik und Zeitgeschichte

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