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Ortstermin: Das Robert Koch-Institut in Berlin
Lisa Brüßler
Wächter über die öffentliche Gesundheit

In Zeiten des Coronavirus laufen die Telefone im Robert Koch-Institut (RKI) im Berliner Stadtteil Wedding auf Hochtouren. Jeden Tag werden dort Lageberichte angefertigt, Risiken erfasst und bewertet, Untersuchungen durchgeführt. Auch ist es an Krisenstäben beteiligt und erstellt den nationalen Pandemieplan, der von den Bundesländern in eigene Pläne umgesetzt wird. Für die zentrale Forschungseinrichtung der Bundesrepublik auf dem Gebiet der biomedizinischen Wissenschaft ist es in Krisen oft eine Gratwanderung, auf Gesundheitsgefahren hinzuweisen und gleichzeitig keine Panik zu verbreiten.

Das RKI ist für die Erkennung, Verhütung und Bekämpfung von Infektionskrankheiten und nicht übertragbaren Krankheiten sowie für epidemiologische Untersuchungen zuständig. Das Coronavirus ist nur eins der vielfältigen Themen, mit dem sich die rund 1.100 Mitarbeiter des Instituts befassen. Im RKI befinden sich nationale Referenzzentren und Labore, die auf diverse Erreger spezialisiert sind. "Vom Virus in der Körperzelle bis zum Übergewicht in der Bevölkerung - das RKI untersucht Krankheiten auf allen Ebenen", erklärt der Präsident, Lothar H. Wieler, die Bandbreite der Aufgaben.

Der Veterinärmediziner leitet das Institut seit fünf Jahren. Nach dem Mikrobiologen und Nobelpreisträger Robert Koch (1843-1910) benannt, ist das RKI dem Bundesgesundheitsministerium unterstellt und übt seine Aufgaben gemäß des Infektionsschutzgesetzes, des Bundeskrebsdatenregisters, des Gentechnikgesetzes und des Stammzellengesetzes aus. Bereits in preußischen Zeiten wurde ein eigenes Institut zur Erforschung und Bekämpfung von Infektionskrankheiten erwogen. Am 1. Juli 1891 wurde mit dem "Königlich Preußischen Institut für Infektionskrankheiten" der Vorläufer des heutigen RKI gegründet. Sechs Jahre später erfolgte die Grundsteinlegung für das Haus im Wedding. Koch persönlich leitete das Institut 13 Jahre lang. Neben einem Mausoleum für seine Gebeine wurde im Gebäude auch ein Museum zu seinem Leben und Wirken als Pionier der Mikrobiologie eingerichtet.

Eine weitere Aufgabe des RKI ist es, erforderliche Maßnahmen zum Schutz der Gesundheit der Bevölkerung abzuleiten. Dazu gehört, diagnostische, experimentelle und epidemiologische Methoden zu entwickeln und gentechnische Arbeiten und umweltmedizinische Einflüsse zu bewerten. Gesichert durch Schleusen, Vollschutzanzüge und eine eigene Luft-, Strom- und Wasserversorgung haben die Wissenschaftler in einem 2018 eröffneten Hochsicherheitslabor der Sicherheitsstufe Vier die Möglichkeit, lebensgefährlichen Viren zu untersuchen. Oft spielt dabei der Faktor Zeit eine Rolle: Bei hoch ansteckenden Krankheiten kann nur durch eine schnelle Diagnostik über Quarantänemaßnahmen und Behandlungsoptionen entschieden werden.

Besonders wichtig ist auch die internationale Vernetzung, da die Früherkennung die Basis der Reaktionsfähigkeit ist. "Das RKI ist datengetrieben", sagt Wieler, denn durch ein innovatives Forschungsdatenmanagement können Trends noch besser erfasst und bewertet werden.Lisa Brüßler

Aus Politik und Zeitgeschichte

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