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Aschot Manutscharjan
Kurz REZENSIERT

Der Wirtschaftswissenschaftler Joseph Stiglitz gehört zu den Vielschreibern unter den Nobelpreisträgern. Regelmäßig publiziert er seine exzellenten Analysen zu gesellschafts- und wirtschaftpolitisch relevanten Fragen. Die Bücher sind zu Recht Bestseller, weil es Stiglitz gelingt, auch die kompliziertesten Themen verständlich darzulegen. In seinem neuesten Buch geht es um die aktuellen Debatten über den globalen Markt, die Finanzwelt und die Weltwirtschaft. Einen Schwerpunkt legt Stiglitz dabei auf den Zustand der amerikanischen Wirtschaft.

Mit seiner kritischen Haltung zu Präsident Donald Trump hält der Autor nicht hinter dem Berg: Dessen Wirtschaftspolitik sei "zum Scheitern verurteilt, (ebenso wie diejenigen in anderen Ländern mit ähnlichen nationalistischen und populistischen Programmen)." Der "Energieschub infolge der enormen Ausweitung des Defizits, das auf die Steuersenkungen und die Ausgabenerhöhungen folgte", werde kurzlebig sein. Selbst mit einem Haushaltsdefizit 2020 von fast einer Billion Dollar liege das Wirtschaftswachstum in den USA nur wenig über dem Durchschnitt der Industrieländer. Der Börsenboom sei noch vor Trumps drittem Amtsjahr "verpufft", während die Probleme ungelöst blieben - die niedrigen Reallöhne, die wachsende Ungleichheit, der schlechte Gesundheitszustand der Bevölkerung mit einer sinkenden Lebenserwartung und die niedrige Investitionsquote.

Zu den interessantesten Stellen des Buches gehören die Vorschläge des Autor zur Änderung des Wahlrechts. Es sei schlicht "undemokratisch", weil das Wahlrecht die Herrschaft einer Minderheit über die Mehrheit ermögliche.

Ausdrücklich kritisiert Stiglitz die neoliberale Wirtschaftsdoktrin mit ihrer "Angebotspolitik" und ihrer Marktgläubigkeit. Angesichts der globalen Finanz- und Klimakrise fordert er einen Gesellschaftsvertrag nach dem Vorbild des europäischen Sozialstaatsmodells.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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