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Aktien
Hans-Jürgen Leersch
Geduld ist gefragt

Mitten im Crash startet die FDP einen Versuch zur Stärkung der Wertpapierkultur

So richtig glücklich war der Zeitpunkt nicht gewählt. Mitten in einer schweren Börsenkrise, durch die Aktienbesitzer hohe Verluste eingefahren haben, legte die FDP-Fraktion einen Antrag zum besseren Schutz von Sparern, zur besseren Förderung von Vermögensaufbau und Altersvorsorge sowie zur Stärkung der Aktienkultur (19/16794) vor. Den Antrag ereilte in der letzten Woche genau das Schicksal der Wertpapiere, für die geworben werden sollte: Die Begeisterung hielt sich in engen Grenzen. Im Finanzausschuss des Bundestages lehnten die Koalitionsfraktionen CDU/CSU und SPD sowie die Fraktionen von Die Linke und Bündnis 90/Die Grünen den FDP-Antrag ab, die AfD enthielt sich. Nur die FDP stimmte für den eigenen Antrag.

Sparbücher beliebt In der Tat ist es um die Aktie als Investmentform für breite Schichten (wie etwa in den USA) in Deutschland nicht besonders gut bestellt. Die Bundesbürger lieben ihre Sparbücher, Festgeld- und Tagesgeldkonten, auch ohne oder fast ohne Zinsen. Gerade einmal 9,7 Millionen Menschen in Deutschland besitzen Aktien oder Fonds, und schon das Jahr 2019 brachte einen Rückschlag für die deutsche Aktienkultur, so das Aktieninstitut. Obwohl der Aktienindex im letzten Jahr um 26 Prozent gestiegen war, kehrten rund 660.000 Anleger dem Aktienmarkt den Rücken. Die Gewinne sind seit dem schwarzen Donnerstag (12. März), als der Deutsche Aktienindex (DAX) um zwölf Prozent in die Tiefe rauschte und damit den zweitschlechtesten Tag in seiner Geschichte hatte, komplett wieder weg, weil die meisten Kurse schon seit Mitte Februar den Rückwärtsgang eingelegt hatten.

Für das Aktieninstitut liegt die geringe Begeisterung für Aktien und damit für die private Vorsorge auch an falschen Signalen aus der Politik. So schrecke eine von der Bundesregierung geplante Steuer auf den Aktienerwerb potenzielle Erwerber ab. Das sieht auch die FDP-Fraktion so und fordert einen Verzicht auf die Steuer. Weiter wird gefordert, den Sparerpauschbetrag an die allgemeine Preisentwicklung anzupassen und den Solidaritätszuschlag umgehend für alle Steuerpflichtigen - und damit auch für Anleger - abzuschaffen.

Dass Aktien besser sind als ihr Ruf, rechnet der Fondsverband BVI vor. Man muss sie nur lange genug halten, dann sind alle Krisenverluste wieder weg. Aber 20 Jahre sollten es schon sein.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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