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Aufgekehrt
Alexander Weinlein
Boni für die Helden

Vor 22 Jahren retteten Harry Stamper und seine Truppe verwegener Ölbohrarbeiter die Menschheit. Ein gewaltiger Asteroid raste auf die Erde zu und drohte alles Leben auf unserem Planeten auszulöschen. Am Ende wählte Stamper gar den Heldentod, um das drohende "Armageddon" zu verhindern. Seine Heldentruppe knüpfte allerdings Bedingungen an das Himmelfahrtskommando: Der eine forderte die Streichung unbezahlter Strafzettel, ein anderer eine Nacht im Weißen Haus, ein dritter eine ganze Woche in der teuersten Suite eines Nobelhotel in Las Vegas. Und: Sie wollten alle keine Steuern mehr zahlen - "nie mehr".

Nun hieß Harry Stamper in Wirklichkeit Bruce Willis und die Corona-Krise ist auch nicht das jüngste Gericht. Aber Helden gibt es: Angefangen bei den Schwestern in Krankenhäusern, die ihre Schutzmasken und Desinfektionsmittel auch noch mit Dieben teilen müssen, bis hin zu den Lastwagenfahrern, die den endlosen Strom an Klopapier in die Supermärkte schaffen, weil alle anderen Gefahr laufen, sich vor Angst minütlich in die Hosen machen.

Wie werden wohl diese Helden belohnt? Mit warmen Worten, Applaus und dem Bundesverdienstkreuz? All die Führungseliten der Finanz- und Wirtschaftswelt haben im Home-Office jetzt viel Zeit, über die Formulierung "tragende Säulen der Gesellschaft" zu sinnieren. Und weil all das Social Distancing derzeit die Kreativität und die Solidarität beflügelt, besteht sogar Hoffnung auf eine glaubwürdige Idee. Der Rest der Gesellschaft applaudiert zum Dank abendlich vom Balkon und singt inbrünstig die "Ode an die Freude". Das muss diesmal als Boni reichen.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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