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EDITORIAL
Jörg Biallas
Elan, Mut, Zuversicht

Angespannte Ruhe liegt bleiern auf dem Land. Behördliche Auflagen, noch vor Wochenfrist ungewohnt, ja, unvorstellbar, werden inzwischen routiniert eingehalten, hygienische Notwendigkeiten wie selbstverständlich umgesetzt. Kurzum: Die Menschen kämpfen gegen das Corona-Virus, so gut es eben geht.

Das gilt auch für die Politik. Regierung und Ministerien in Bund und Ländern laufen auf Hochtouren. Bundestag wie Bundesrat tagen im Notfall-Modus, aber beispiellos effektiv. Es gilt, Regeln für das gesellschaftliche Zusammenleben und wirtschaftliche Überleben aufzustellen, durchzusetzen, zu überprüfen. Dabei dürfen demokratisch-parlamentarische Vorgaben und grundgesetzliche Pflichten nicht verletzt werden. Über allen legislativen wie exekutiven Aktivitäten schwebt der unbedingte Wille, die handelnden Personen nicht mehr als nötig in Gefahr zu bringen. Wie schmal der Grat zwischen politischer Handlungsfähigkeit und persönlicher Angreifbarkeit ist, zeigt der Umstand, dass die Bundeskanzlerin zu einem Zeitpunkt eine Pressekonferenz zum Thema gab, als sie befürchten musste, selbst mit dem Virus infiziert zu sein.

Eines ist schon jetzt festzuhalten: Politisch ist der Umgang mit der Pandemie gelungen. Trotz Meinungsverschiedenheiten in Detailfragen, zwischen Bund und Ländern, in Fachministerien, unter den Parteien, haben alle verstanden, dass jetzt nicht die Stunde des politischen Klein-Kleins ist. Jetzt gilt es, möglichst viele Menschenleben zu retten. Und das geht nur miteinander, nicht gegeneinander. Diese Erkenntnis hat auch die Gesellschaft erreicht. Eine Welle der Hilfsbereitschaft für Schwache, Alte und Kranke schwappt über das Land. Es wäre schön, wenn diese Solidarität für die Zeit nach der Krise konserviert werden könnte. Das gilt übrigens auch für Erkenntnisse aus der Arbeitswelt. Etwa die, dass Homeoffice kein Freizeitprogramm ist, sondern durchaus eine Bereicherung des beruflichen Alltags sein kann.

Das Corona-Virus hat die Welt kalt erwischt und nach wie vor im Griff. Vieles ist ungewohnt und zeitweise anders, auch diese im Umfang reduzierte Ausgabe von "Das Parlament". Aber wenn die Krise eines Tages überwunden sein wird, werden wir alle um eine Erfahrung reicher sein. Nämlich die, dass auch große, Angst einflößende Herausforderungen zu bewältigen sind. Mit Elan, Mut und Zuversicht. Und vor allem: gemeinsam.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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