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Gastkommentare - Pro
Niklas Záboji
Mehr Vertrauen

CORONA-REGELN LOCKERN?

D ie Wirtschaft braucht klare Regeln - nicht nur in guten Zeiten, um Exzesse zu verhindern. Auch in der Krise muss der Gesetzgeber verständlich und nachvollziehbar sagen, was erlaubt ist und was nicht. Doch das tut er seit der Verhängung von Kontaktbeschränkungen hierzulande leider nur bedingt. Drogerieketten durften offen bleiben, der Schreibwarenladen nebenan aber musste schließen. Auch die jüngsten Lockerungen sind widersprüchlich. Kaufhäuser mit weniger als 800 Quadratmetern sind wieder begehbar, während die mit mehr Fläche dicht bleiben. Besonders schlimm trifft es nach wie vor die Gastronomie. Restaurants mit großer Terrasse werden genauso behandelt wie Eckkneipen. Dabei rücken sich die Menschen im Supermarkt im Zweifel mehr auf die Pelle als draußen im Lokal, wo Abstände zwischen den Tischen möglich sind.

Fest steht: Die Mitte März ergriffenen Eindämmungsmaßnahmen zeigen große Wirkung. Deutschland steht mit seinem hervorragenden Gesundheitssystem deutlich besser da als andere Industrieländer - und könnte dank Kurzarbeitergeld und beherzter Hilfsprogramme auch schneller wieder wachsen. Fest steht aber auch: Jeder zusätzliche Tag kostet, gefährdet Existenzen und frustriert. Gewerbetreibende erleben eine Ungleichbehandlung, die nicht sein müsste. So zu tun, als gingen vom Aufenthalt in Biergarten und Konzerthalle dieselbe Ansteckungsgefahr aus, erschließt sich nicht. Ebenso wenig das rigorose Verbot für Sportstätten aller Art. Sieht man von Großstädten ab, sollte der Zwangs-Stillstand deshalb dort enden, wo das Tragen von Schutzmasken und Abstandsregeln befolgt wird. So viel Eigenverantwortung muss man dem mündigen Bürger zutrauen.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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