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FAMILIE
Alexander Weinlein
Die ungehörte Generation der Jüngsten

Bundestag debattiert über die Rechte von Kindern und Jugendlichen während der Corona-Pandemie

Rund die Hälfte der Kinder und jungen Erwachsenen sind er Meinung, dass sie in der Corona-Krise nicht gehört werden. Dies ist das Ergebnis einer Umfrage der Universitäten Frankfurt und Hildesheim, die am vergangenen Donnerstag veröffentlicht wurde. Die Forscher haben bundesweit rund 5.000 junge Menschen zwischen 15 und 30 Jahren danach befragt, wie sie die Maßnahmen gegen die Pandemie erleben. Sie Umfrage ist zwar nicht repräsentativ, vermittelt aber durchaus einen Einblick in die aktuelle Stimmungslage in der jungen Generation.

Auch der Bundestag setzte sich am vergangenen Donnerstag mit diesem Problem auseinander. In der Analyse waren sich die Familienpolitiker der Fraktionen auch weitgehend einig: In der Tat sei das Leben von Kindern und Jugendlichen am stärksten von den Pandemiemaßnahmen betroffen - vor allem durch die Schließung von Kitas, Schulen, Sport- und Jugendvereinen und die Kontakt- und Ausgangsbeschränkungen.

Die Linke und Bündnis 90/Die Grünen hatten zwei Anträge eingebracht, in denen sie die Wahrung der Rechte von Kindern und Jugendlichen einfordern. So sprechen sich die Linken (19/19145) für die Einberufung eines Kindergipfels im Kanzleramt aus, an dem neben den Fachministern von Bund und Ländern auch Vertreter der Kinder- und Jugendhilfe, der Wohlfahrtsverbände, des Kinderhilfswerkes, der Wissenschaft und von Schülerparlamenten und -vertretungen sowie Jugendverbänden teilnehmen sollen. Die Grünen (19/19146) wollen unter anderem, dass der Schutz, die Bedürfnisse und die besondere Perspektive von Kindern in den bundesweiten Pandemieplan aufgenommen werden. Zudem soll der Wegfall verschiedener Leistungen nach dem Bildungs- und Teilhabepaket durch einen ein monatlicher Zuschlag für anspruchsberechtigte Kinder und Jugendliche in Höhe von 60 Euro kompensiert werden.

Die Belange der Kinder und Jugendlichen sei immer noch nicht zur "Chefinnensache" erklärt worden, weder von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), noch von Familienministerin Franziska Giffey (SPD), monierte Katja Dörner (Grüne). Stattdessen habe man die "Autobosse" zum Krisengipfel geladen. Norbert Müller (Linke) beklagte eine "Politik der Ignoranz". Auch der FDP-Parlamentarier Matthias Seestern-Pauly (FDP) führte aus, dass dem Recht der Kinder auf Bildung, aber auch auf Spiel und Freizeit wieder Geltung verschafft werden müsse. Die Koalitionsabgeordneten Nadine Schön (CDU) und Susann Rüthrich (SPD) räumten ein, dass Kinder und Jugendliche in den vergangenen zwei Monaten zu wenig im Licht der Öffentlichkeit gestanden hätten. Marcus Weinberg (CDU) betonte allerdings, dass dies dem Schutz der Gesundheit geschuldet und deshalb auch vertretbar gewesen sei.

Der AfD-Abgeordnete Martin Reichardt begnügte sich damit, den Grünen das Recht abzusprechen, über Familienpolitik zu diskutieren. Sie hätten gemeinsam mit der SPD Hartz-IV auf den Weg gebracht und seien verantwortlich für die zunehmende Kinderarmut.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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