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Vor 25 Jahren...
Benjamin Stahl
Kinkels Teilrückzug

18.5.1995: Rücktritt als FDP-Chef Der Ehrenvorsitzende der FDP sprach es deutlich aus: "Es ist die schwerste Krise in unserer Parteigeschichte", sagte Hans-Dietrich Genscher. Am 14. Mai 1995 waren die Liberalen bei den Wahlen in Bremen und Nordrhein-Westfalen aus den Parlamenten geflogen und saßen fortan nur noch in fünf Landtagen. Vier Tage später, am 18. Mai, trat Parteichef Klaus Kinkel zurück.

Der Aufstieg des Liberalen war rasant. Erst 1991 war er der FDP beigetreten und wurde bereits 28 Monate später ihr Bundesvorsitzender - da hatte er schon eine Karriere als Justizminister hinter sich und war seinem Förderer Genscher als Außenminister gefolgt. Doch als Parteichef schien ihn das Glück zu verlassen. Die FDP musste sich nicht nur aus Landtagen verabschieden, sondern 1994 auch aus dem Europaparlament. Bei der Bundestagswahl im selben Jahr wurde die Fraktion fast halbiert: Nur noch 47 statt bislang 79 Abgeordnete schickten die Liberalen nach Bonn.

Die meisten Landesverbände stärkten Kinkel zwar Mitte Mai 1995 noch den Rücken. Trotzdem übernahm er die Verantwortung für die Wahlniederlagen. Auch wenn er sich keinen Vorwurf mache: Er habe in den Wahlkämpfen "unwahrscheinlich gearbeitet", betonte er. Die FDP brauche aber "nach schweren Monaten eine neue Chance durch einen neuen Anfang". Kinkels Nachfolger wurde Wolfgang Gerhardt. Sein Amt als Außenminister behielt Kinkel unterdessen. Dafür sei er nun "freier". Schon zuvor hatte er über sein riesiges Arbeitspensum als Parteichef, Minister und Vizekanzler geklagt.Benjamin Stahl

Aus Politik und Zeitgeschichte

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