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Gastkommentare - Pro
Dorothea Siems
Aus der Zeit gefallen

Bedroht Corona DIE GRUNDRENTE?

D eutschland erlebt in diesen Wochen einen beispiellosen Absturz seiner Wirtschaft. Als Folge des im Kampf gegen die Pandemie verordneten Stillstands droht dem Land ein Tsunami von Insolvenzen und Entlassungen. Die Steuereinnahmen brechen weg und auch die Sozialkassen werden enorm strapaziert. Vor diesem düsteren Hintergrund mutet es bizarr an, dass die große Koalition entschlossen ist, die Grundrente wie geplant zum 1. Januar 2021 durchzusetzen. Die Aufstockung niedriger Rentenansprüche langjährig Versicherter ist ein Projekt, das schon vor der Corona-Krise von führenden Rentenökonomen als ungerecht und zudem wenig zielgenau zur Eindämmung von Altersarmut kritisiert wurde - in diesen schwierigen Zeiten wirkt es nun vollkommen aus der Zeit gefallen. Wenn das Sozialsystem gerade in seinen Grundfesten erschüttert wird, sollte man nicht noch einen neuen Balkon anbauen, sondern erst einmal die Grundpfeiler stabilisieren.

Die für die Grundrente veranschlagten Kosten von 1,3 Milliarden Euro für das Startjahr muten zwar im Vergleich zu den Summen, mit denen momentan krisenbedingt hantiert wird, überschaubar an. Doch sollen die Ausgaben für die neue steuerfinanzierte Sozialleistung mit den Jahren kräftig steigen. Und jede Zusatzlast bedeutet letztlich noch höhere Schulden für die jüngere Generation, die ohnehin jetzt doppelt gekniffen ist. Denn zu den Folgen des demografischen Wandels kommt nun auch noch die Finanzierung des teuren Corona-Rettungsschirms hinzu.

Seit das Virus das Leben grundlegend verändert hat, ist viel von der notwendigen Rücksichtnahme auf die ältere, besonders schutzbedürftige Generation die Rede. Umgekehrt sollte das auch gelten.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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