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Aschot Manutscharjan
Kurz rezensiert

Wieso haben die USA Syrien im August 2015 wegen des Einsatzes von Sarin-Gas nicht zur Rechenschaft gezogen, obwohl Präsident Barack Obama das Regime in Damaskus vorgewarnt hatte? Solchen Entscheidungen liegt zumeist geheimes Wissen zugrunde. Dabei handele es sich sowohl um "den Prozess als auch um das Ergebnis einer bürokratischen Koordination von Behörden" und Politik, schreiben die Politikwissenschaftler Thomas Jäger, Verena Diersch und Stephan Liedtke. Vor dem Irak-Krieg 2003 seien die USA anders vorgegangen: Die US-Regierung habe mit einer breit angelegten Desinformationskampagne über angebliche Massenvernichtungswaffen ihren Einmarsch in den Irak gerechtfertigt.

Nach dem Ende des Ost-West-Konfliktes gab es politische Bestrebungen, die Nachrichtendienste abzuschaffen. Inzwischen seien diese Organisationen jedoch noch wichtiger für ihre Regierungen geworden, da die internationale Politik stärker von Brechungen und überraschenden Entwicklungen geprägt sei. So lautet das Fazit dieses empfehlenswerten Buches. Ohne falsche Rücksicht auf die "transatlantische Solidarität" beschreiben die Autoren den Zustand der Beziehungen zwischen den USA und ihren europäischen Partnern, den sie als "transatlantische Asymmetrie" beschreiben: "Was Europa wissen darf, bleibt in Wirklichkeit außerhalb seines eigenen Gestaltungsvermögens." So habe die NSA-Affäre, die der Bundestag 2018 aufzuklären versuchte, nicht nur das Ausmaß der US-Spionage in Europa gezeigt. Deutlich sei auch geworden, dass die EU-Staaten für ihre Sicherheit auf die USA angewiesen sind.

Der Leser erfährt nicht nur Details über die Strukturen der Geheimdienste und ihre Funktion in der Sicherheitsstrategie der USA. Das quellenreiche Buch ist eine Pflichtlektüre für alle, die mehr über die Rolle der Nachrichtendienste in den politischen Entscheidungsfindungsprozesse erfahren wollen.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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