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Ortstermin: Das Freiheits- und Einheitsdenkmal in Berlin
Lisa Brüßler
Baubeginn für die Freiheitswippe

Der erste Spatenstich ist getan. Ursprünglich sollte das Freiheits- und Einheitsdenkmal am Schinkelplatz vor dem rekonstruierten Berliner Stadtschloss zum 30. Jahrestag des Mauerfalls im November 2019 eröffnet werden. Doch der Termin scheiterte an Finanzierungsfragen. Ende Mai läutete nun Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) gemeinsam mit den Planern Johannes Milla und Sebastian Letz vom Stuttgarter Architekturbüro Milla & Partner sowie den ehemaligen Bundestagspräsidenten Wolfgang Thierse (SPD) und Norbert Lammert (CDU) den Baubeginn für das lang umstrittene Projekt ein.

Auf dem Sockel des früheren Kaiser-Wilhelm-Nationaldenkmals vor dem Humboldt Forum soll unter dem Motto "Bürger in Bewegung" eine bewegliche Schale an die deutsche Wiedervereinigung erinnern. Die Schale ist 50 mal 18 Meter groß und umfasst eine begehbare Fläche von 700 Quadratmetern. Besucher können diese nur gemeinsam in Bewegung bringen, indem sich auf einer Hälfte mindestens zwanzig Personen mehr zusammenfinden als auf der anderen. Die Botschaft: Einheit hat mit Balance zu tun und muss immer wieder neu erarbeitet werden.

Das Denkmal soll offen für spontane, informelle, spielerische, aber auch offizielle Begegnungen sein. Es erinnere an die Zivilcourage der Menschen, "die ihre Stimme für demokratische Freiheitsrechte erhoben", sagte Grütters beim Spatenstich. Es stehe für Mut, Freiheitsstreben und Gewaltlosigkeit. Sie wünsche sich, dass das Denkmal ein Ort der friedlichen Begegnung und des Austausches für Menschen aller Nationen werde. Architekt Sebastian Letz erklärte, das Denkmal sei eine soziale Skulptur: "Sie gewinnt Leben, wenn die Besucher sich zusammenfinden, verständigen und gemeinsam bewegen", sagte er.

2018 genehmigte der Haushaltsausschuss des Bundestages die notwendigen 17 Millionen Euro für den Bau des Denkmals. Erstmals beschlossen hatte der Bundestag das Projekt im Jahr 2007. Im Gespräch ist es allerdings bereits seit 1998. Doch ein gescheiterter Wettbewerb, Meinungsverschiedenheiten im Siegerteam und Einwände von Denkmal- und Tierschützern sorgten für immer neue Verzögerungen.

Zuletzt hatten im Baugrund lebende und als gefährdet geltende Zwerg- und Wasserfledermäuse den Baubeginn verzögert. Per Gutachten wurde nachgewiesen, dass derzeit keine Fledermäuse mehr in dem Sockel leben. Ende April stimmte die Berliner Senatsumweltverwaltung dann einem geänderten naturschutzrechtlichen Konzept des Bundes zum Schutz der Fledermäuse zu und erteilte eine Ausnahmegenehmigung für den Bau.

Die Planer kündigten an, dass die Arbeiten bis Ende 2021 abgeschlossen sein sollen. Im Frühjahr 2022 könne das Denkmal voraussichtlich seiner Bestimmung übergeben werden - als Treffpunkt zum Austausch und für den demokratischen Streit.Lisa Brüßler

Aus Politik und Zeitgeschichte

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