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Aschot Manutscharjan
Kurz rezensiert

"Den Afrikaner" gibt es genauso wenig, wie "den Europäer". So lapidar beginnt der Völkerrechtler Gerd Hankel seinen düsteren Erfahrungsbericht über seine 20-jährige Arbeit in Zentralafrika. Der Autor von Büchern über den Völkermord in Ruanda beschreibt die Dorf-Gerichte, Versöhnungsrituale und das politische Leben unter dem autoritären Präsidenten Paul Kagame. Deutschland, so klagt Hankel, unterstütze mit seiner Entwicklungshilfe dessen antidemokratisches Treiben weiterhin.

Der Afrika-Kenner fragt, warum mehr als fünf Jahrzehnte nach der Unabhängigkeit die Lage in Afrika weiterhin von Armut und Hunger, Gewalt und Perspektivlosigkeit geprägt wird. Dabei sei die internationale Entwicklungshilfe von jährlich mehr als hundert Milliarden US-Dollar, die größtenteils Afrika zugute komme, "ein Beitrag, der etwas zu bewegen vermag". Das Ergebnis jedoch sei "dürftig bis beschämend". Die Fortschritte würden durch Korruption, Klientelismus und Inkompetenz zunichte gemacht. Projekte würden nur finanziert, um im Land präsent zu bleiben, wirtschaftliche Interessen durchzusetzen oder um politischen Einfluss zu nehmen.

Hart geht Hankel mit den Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen ins Gericht, die in Afrika weit entfernt von jeder Realisierung seien. Alltägliche Praxis seien hingegen die Ausplünderung der Bodenschätze, Umweltzerstörung sowie die aggressive Eroberung von Absatzmärkten, die es seit der Kolonisierung des Kontinents gebe. Hankel widerspricht der These, die Umstände erlaubten in vielen Ländern Afrikas noch keine demokratischen Verhältnisse. Dies sei Selbstbetrug. Die "besondere Form der afrikanischen Demokratie" nütze nur den autoritären Regimen, ihre mafiotischen Strukturen zu stabilisieren und die Opposition zu unterdrücken. Zugleich würde so jene Migrationsbewegung erzeugt, die Europa mit der Entwicklungshilfe zu verhindern versuche.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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