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Vor 40 Jahren...
Benjamin Stahl
Chaotische Gründung

13.1.1980: Die Grünen werden Bundespartei. Die Handlung des "Films", den rund 250 sogenannte autonome Delegierte im Januar 1980 in einem Kinosaal in Karlsruhe verfolgten, war unübersichtlich. "Chaotischer ging's nimmer", schrieb "Der Spiegel". Die Autonomen hatten eigentlich in die überfüllte Stadthalle gewollt, wo der Gründungskongress der Grünen stattfand. Doch sie wurden abgewiesen und mussten über einen Monitor verfolgen, was in der Stadthalle passierte: Dort stritten zwei Tage lang 1.004 reguläre Delegierte über den politischen Kurs und über die Möglichkeit einer doppelten Parteimitgliedschaft. Bereits existierende grüne Landesverbände mit Bunten Listen, Frauenbewegungen, Maoisten, aber auch Konservativen und anderen Gruppierungen unter einen Hut zu bringen, schien unmöglich. Linke und Gemäßigte standen sich unversöhnlich gegenüber, mehrfach stand der Parteitag vor dem Scheitern. In letzter Minute gelang es dann doch: Am 13. Januar 1980 konstituierten sich Die Grünen als Bundespartei.

Der Gedanke, dass von der neuen Partei einst die Handlungsfähigkeit einer Bundesregierung abhängen könne, müsse jedem, der den Gründungskongress erlebt hat, "grelle Alpträume verursachen", urteilte die "Süddeutsche Zeitung". Karlsruhe habe "die Untauglichkeit und Unverantwortlichkeit der grünen Bewegung bewiesen", meinte "Die Zeit". Die etablierten Parteien belächelten die Grünen - und unterschätzten sie. Bei der Bundestagswahl 1980 scheiterten sie zwar noch an der Fünf-Prozent-Hürde. 1983 zogen sie aber in den Deutschen Bundestag ein.Benjamin Stahl

Aus Politik und Zeitgeschichte

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