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Gastkommentare - Pro
Christiane Habermalz
Wichtiges Signal

Soll es Beweisumkehr bei Restitution geben?

D ie Kolonisierung und der Wettlauf der europäischen Institutionen um die Kunst- und Kulturschätze Afrikas war eine der größten Plünderungen der Menschheitsgeschichte. An die zwei Millionen Objekte liegen allein in deutschen Museen. Zurückgegeben wurde bislang kaum etwas. Auch in Deutschland verschanzt sich die Politik hinter dem zutreffenden Hinweis, dass das geltende Recht keine Ansprüche auf Rückgaben vorsieht - und überlässt es der Einzelfallprüfung der Museen, aus moralischen Gründen einzelne Objekte zurückzugeben. Restitution als Akt des Großmuts - dieser erneute Paternalismus der ehemaligen Kolonialmacht ist für afrikanische Länder nur schwer erträglich. Vor diesem Hintergrund erscheint die Forderung von Benedicte Savoy und Felwine Sarr, Frankreich solle alle Gegenstände aus seinen afrikanischen Sammlungen zurückgeben - bis auf die Objekte, bei denen sich klar nachweisen lässt, dass sie nicht gewaltsam geraubt oder unter Druck abgepresst wurden - nur noch halb so radikal. Savoy und Sarr setzen dabei voraus, was kaum noch ein Historiker ernsthaft in Frage stellt: Dass die Kolonialherrschaft ein System strukturellen Unrechts und permanenter Gewalt war. Und sie fordern von der französischen Politik ein, was auch in Deutschland dringend gebraucht wird: Ein Gesetz, das Rückgaben ermöglicht und regelt. Wenn wir es ernst meinen damit, Rückgaben als Instrument der Unrechtsbewältigung anzuerkennen, müssen wir die Voraussetzung dafür in einem Restitutionsgesetz schaffen. Die damit verbundene politische Debatte im Bundestag wäre zudem ein Signal an die ehemaligen Kolonien, dass mit der Restitution auch eine ehrliche Auseinandersetzung mit der eigenen historischen Schuld einhergeht.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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