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Städtepartner
Claus Peter Kosfeld
Vielfältige Beziehungen im gegenseitigen Respekt

Deutsche Kommunen unterhalten Kontakte zu ehemaligen Kolonien in Afrika

Jenseits der großen Politik sorgen oftmals kommunale Kontakte zwischen verschiedenen Ländern für multikulturelle Freundschaft, Respekt und Verständnis. Seit Ende des Zweiten Weltkriegs, der für Deutschland im materiellen und moralischen Desaster endete, waren es auch einfache Städtepartnerschaften, die eine neue Annäherung und Aussöhnung möglich machten. Was sich zunächst auf Kontakte mit westlichen Nachbarn und ehemaligen Kriegsgegnern beschränkte, entwickelte sich im Laufe der Jahrzehnte zu einem geografisch weit verzweigten Netzwerk, das heute den globalen Süden ebenso umfasst wie, seit dem politischen Umbruch Ende der 1980er Jahre, auch die früheren Ostblockstaaten. Nach Angaben des Rates der Gemeinden und Regionen Europas (RGRE) pflegen deutsche Kommunen aktuell mehr als 7.000 Partnerschaften, Freundschaften und Kontakte weltweit.

Kontakt nach Afrika Eine besondere Rolle spielen dabei die Beziehungen zu früheren Kolonien. Auf einem Friedhof in Berlin-Neukölln erinnert ein Gedenkplatte in den Umrissen Namibias an die Opfer der Kolonialherrschaft im früheren Deutsch-Südwestafrika zwischen 1884 und 1915. Blutiger Höhepunkt der militärischen Aktivitäten im deutschen "Schutzgebiet" war die Niederschlagung des Aufstandes der Herero und Nama 1904 bis 1908 (siehe Seiten 4 und 5). Knapp hundert Jahre später, am 6. Juli 2000, begründete Berlin eine Städtepartnerschaft mit Windhuk, der Hauptstadt Namibias. Es ist die einzige unter vielen Städtepartnerschaften Berlins mit einer Stadt in Afrika. Die Partnerschaft mit Windhuk wurde vereinbart "vor dem Hintergrund der geschichtlichen Verflechtung und der engen politischen und entwicklungspolitischen Beziehungen zwischen Deutschland und Namibia und mit Blick auf die besondere Verantwortung, die der Deutsche Bundestag gegenüber Namibia zum Ausdruck gebracht hat", umreißt die Berliner Staatskanzlei die Grundlage des Engagements. Die Zusammenarbeit erstreckt sich auf Polizei und Stadtentwicklung, daneben geht es um Schulen und die Ausbildung, Umweltschutz, Sport und Kultur. Die Partnerschaft lebe wesentlich vom Engagement zahlreicher Nichtregierungsorganisationen, mit deren Hilfe der Kulturaustausch und Schulpartnerschaften organisiert würden, heißt es in der offiziellen Beschreibung der kommunalen Beziehung. So engagiert sich eine Gruppe Berliner Polizisten für den Nashornschutz.

In Rheinland-Pfalz ist seit den frühen 1980er Jahren ein ganzes Netzwerk an Städteverbindungen mit Ruanda entstanden, das zusammen mit Burundi und Tansania einst die Kolonie Deutsch-Ostafrika bildete.

Pfälzer Netzwerk Die Pfälzer sprechen von einer "Graswurzelpartnerschaft" und verweisen auf die vielfältigen, engen Beziehungen beider Länder "mit gegenseitigem Respekt und Achtung". Das Projekt gehe über die reine Entwicklungszusammenarbeit hinaus und stehe für "Partnerschaft im alltäglichen, gesellschaftlichen und kulturellen Leben", wie der Partnerschaftsverein Rheinland-Pfalz/Ruanda betont.

Nach Angaben des Vereins gibt es inzwischen 40 offizielle Kontakte von Städten, Landkreisen oder Verbandsgemeinden mit Ruanda. Eine wichtige Säule sind die Schulpartnerschaften mit dem afrikanischen Staat. So unterhielten 2014 mehr als 180 rheinland-pfälzische Schulen mit ruandischen Schulen eine Partnerschaft. Ein Schüleraustausch wird von der Landesregierung unterstützt. Die Pfälzer engagieren sich im Schulbau, bei der Schulausstattung sowie in der Lehrerfortbildung. Schon seit Jahren kooperieren zudem die Universität Kaiserslautern und die technischen Hochschule in Ruanda. Einen Austausch gibt es auch zwischen der Universitätsklinik Mainz und der Stadt Butare.

Zahlreiche Engagements Wie aus der Datenbank des RGRE hervorgeht, unterhalten deutsche Städte zu den meisten ehemaligen deutschen Kolonien in Afrika vertiefte Beziehungen. Alleine 17 Partnerschaften (Vertrag), Freundschaften (zeitlich begrenzte Vereinbarung) oder Kontakte (ohne förmliche Festlegung) bestehen mit Ruanda, alle in Rheinland-Pfalz.

Neben Berlin pflegt auch Trossingen in Baden-Württemberg eine Städtepartnerschaft mit Windhuk, daneben gibt es vertiefte Kontakte zwischen Dessau-Roßlau in Sachsen-Anhalt und Rehoboth, ebenfalls eine Stadt in Namibia. Acht Treffer weist die Datenbank für Partnerschaften mit Tansania aus, darunter Eckernförde in Schleswig-Holstein mit Tanga sowie Hamburg mit Daressalam.

Die Stadt Duisburg (NRW) pflegt schon seit 1973 eine Partnerschaft mit der Stadt Lomé in Togo. Die baden-württembergische Stadt Schopfheim ist seit dem Jahr 2000 Partnergemeinde von Dikome in Kamerun, basierend auf einer kirchlichen Initiative aus den 1970er Jahren. Die Schopfheimer halfen den Kamerunern beim Bau von Wasserleitungen und der Krankenstation und starteten eine Direktvermarktungsinitiative für Kaffee.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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