Inhalt

Philatelie
Hans-Jürgen Leersch
Mit der kaiserlichen Yacht

Zum kolonialen Postwesen gehörten auch eigene Briefmarken

Die deutsche Kolonialzeit hat neben den städtebaulichen auch kleine Spuren hinterlassen: Briefmarken. Die kleinen Papierschnipsel mit Motiven und Wertaufdruck waren und sind im Postverkehr unerlässlich, und auch für die deutsche Kolonialverwaltung war der Aufbau einer Postverwaltung äußerst wichtig, um die Kommunikation in Gang zu bringen und um den Aufbau einer Wirtschaft in dem großen Land zu fördern. Schon 1888 wurde Südwestafrika in den Weltpostverein aufgenommen, und der Aufbau einer Postverwaltung in allen Landesteilen war bis Ende der 1890-er Jahre abgeschlossen.

Zögerlicher Beginn Die Ausgabe eigener Briefmarken erfolgte etwas zögerlich. Zuerst wurden Briefmarken mit unterschiedlichen Wertangaben aus dem Deutschen Reich verwendet. Als Motiv zeigten die Marken Krone und Adler. Ab 1897 wurden diese Marken mit einem Aufdruck "Deutsch-Südwest-Afrika" versehen. Dies geschah auch in den anderen deutschen Kolonien.

1901 kam es dann zur ersten (und einzigen) eigenständigen Kolonialausgabe. Als Motiv zeigten die Marken die kaiserliche Yacht "Hohenzollern" auf Hochseefahrt. Die Wertangaben reichten von drei bis 80 Pfennig und von einer bis fünf Mark. In Südwestafrika galt als Währung damals wie in Deutschland die Reichsmark. Eine eigene Währung wie zum Beispiel in der Kolonie Ostafrika gab es in Südwestafrika nicht. Damit spielen Münzen und Scheine kolonialgeschichtlich keine Rolle, wenn man von dem Notgeld absieht, das in Südwestafrika von privaten Firmen nach Kriegsausbruch 1914 in Umlauf gebracht wurde, weil das Bargeld knapp wurde. In Ostafrika erfolgte die letzte Prägung deutscher Münzen noch 1916 auf Veranlassung des Oberbefehlshabers Paul von Lettow-Vorbeck. Die Goldstücke mit einem Nennwert von 15 Rupien zeigen einen Elefanten vor dem Hintergrund des Kilimandscharo und sind heute begehrte und teure Sammlerstücke.

Die meisten Kolonialbriefmarken sind bei weitem nicht so teuer. Denn sie konnten auch in Berlin an einem Sonderpostschalter erworben werden; eine Möglichkeit, die von Sammlern damals eifrig genutzt wurde, so dass diese Briefmarken auch heute noch für wenige Euro im Handel erhältlich sind. Verkauft wurden die Marken in Berlin sogar noch bis Sommer 1919, als der Kaiser längst abgedankt hatte und die Kolonie schon mehrere Jahre von Truppen aus Südafrika besetzt war.

Aus Politik und Zeitgeschichte

© 2020 Deutscher Bundestag