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Ortstermin: Das Paul-Ehrlich-Institut in Langen
Lisa Brüßler
Sorgfalt vor Schnelligkeit

Kittel, Überschuhe, doppelte Schutzkleidung: Wer in die Laboratorien der Schutzstufe drei im Paul-Ehrlich-Institut (PEI) im südhessischen Langen möchte, muss sich besonders schützen. Doppelter Unterdruck verhindert, dass gefährliche Partikel wie etwa HIV-Viren nach außen entweichen. Seit 1990 beheimatet die 38.000 Einwohner zählende Stadt in der Nähe von Frankfurt das PEI mit seinen zehn Abteilungen, Laboratorien und rund 800 Mitarbeitern. "Der Zugang zu wirksamen und sicheren Impfstoffen und biomedizinischen Arzneimitteln deckt einen grundlegenden menschlichen Bedarf - vergleichbar mit der Versorgung mit sauberem Trinkwasser", erklärt PEI-Präsident Klaus Cichutek die Aufgabe des Bundesinstituts für Impfstoffe und biomedizinische Arzneimittel (bis 2009: Bundesamt für Sera und Impfstoffe).

Der TÜV für Impfstoffe und Sera für Mensch und Tier bewertet auch Allergenpräparate, Antikörper, Arzneimittel aus Blut und solche für neuartige Therapien sowie Gewebezubereitungen. Auch hält das PEI Kontakt zu anderen Arzneimittelbehörden und zur Weltgesundheitsorganisation und betätigt sich in der Forschung und wissenschaftlichen Beratung.

Neben der Zulassung und Genehmigung von Geräten der Medizintechnik, Arzneimitteln und Impfstoffen in Deutschland genehmigt das Institut auch klinische Studien. So auch in der aktuellen Pandemie um den SARS-CoV-2-Erreger, in der sich die Wissenschaft einig ist, dass nur ein Impfstoff diese beenden kann.

Als erstes Unternehmen in Deutschland erhielt das Mainzer Biopharma-Unternehmen BioNTech Ende April die Erlaubnis des Paul-Ehrlich-Instituts zu einer Studie für einen potenziellen Impfstoff an gesunden Freiwilligen. Mitte Juni folgte das grüne Licht für das Tübinger Biotech-Unternehmen CureVac. Das Tempo sei derzeit deutlich höher als bei anderen Impfstoff-Projekten, betont Cichutek. Das PEI habe aber große Erfahrung bei der Bewertung von Impfstoffen und auch wenn die schnelle Genehmigung das Ziel sei, walte dieselbe Sorgfalt wie sonst auch. Es sei wichtig, mehrere verträgliche und wirksame Impfstoffe mit unterschiedlichen Eigenschaften zu entwickeln und die Kapazitäten rasch auszubauen, um den weltweiten Bedarf zu decken, sagt Cichutek. Er erwarte zudem ein bezahlbares Präparat "nahe am Selbstkostenpreis".

Benannt wurde das Institut und die Straße, in der es steht, nach seinem ersten Direktor, dem Mediziner Paul Ehrlich, der 1854 in Schlesien geboren wurde und 1908 für seine Arbeiten in der Immunologie den Nobelpreis für Medizin erhielt. Ehrlich unterschied durch seine Färbemethode verschiedene Arten von Blutzellen, sodass die Diagnose zahlreicher Blutkrankheiten möglich wurde. Zudem gilt er als Begründer der modernen Chemotherapie. Ehrlich wurde 1896 Direktor des neu gegründeten Instituts für Serumsforschung und -prüfung in Berlin-Steglitz. 1899 siedelte das Institut nach Frankfurt in das Königliche Institut für experimentelle Therapie um, bevor 1987 die ersten Mitarbeiter in den Neubau nach Langen umzogen.Lisa Brüßler

Aus Politik und Zeitgeschichte

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