Inhalt

Schulen
Alexander Weinlein
Freudiges Ferienende

Länder wollen Regelbetrieb wieder aufnehmen

Es könnte das freudigste Ferienende in der deutschen Schulgeschichte werden. Nach Wochen des kompletten Lockdowns und weiteren Wochen eines nur sehr eingeschränkten Schulbetriebs streben die Bundesländer nach den Sommerferien wieder den Regelbetrieb an fünf Tagen in der Woche an. Darauf hatten sich die Kultusminister bereits Mitte Juni geeinigt - unter der Bedingung, dass es das "weitere Infektionsgeschehen zulässt". In der vergangenen Woche legte die Kultusministerkonferenz (KMK) nun nach und präsentierte einen gemeinsamen Rahmenplan für "Infektionsschutz- und Hygienemaßnahmen".

Die KMK-Präsidentin und rheinland-pfälzische Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD) betonte noch einmal, dass die Schüler "ein Recht auf Bildung" hätten, das "mit den notwendigen Maßnahmen zum Schutz vor einer Verbreitung des Corona-Virus in Einklang" gebracht werde. Der Rahmenplan sieht jedoch nur wenige konkrete bundesweit gültigen Auflagen vor.

Ohne Abstand So soll auf den bisherigen Mindestabstand von 1,5 Metern zwischen Schülern, Lehrern und anderen Betreuern verzichtet werden - zumindest innerhalb der Klassenverbände. Auf Begrüßungen mit Körperkontakt soll jedoch weiterhin verzichtet werden. Die Unterrichtsräume sollen nach jeder Schulstunde gründlich gelüftet und in den Sanitärbereichen ausreichend Flüssigseife und Einmalhandtücher vorhanden sein. Alle weiteren Maßnahmen wie etwa die Durchführung regelmäßiger Corona-Tests und das Tragen einer Mund-Nase-Maske überlässt die KMK der Eigenverantwortung der Länder.

Trotz des verabredeten Regelbetriebs lässt die KMK die Möglichkeit für Unterricht aus der Ferne, sprich Homeschooling, bewusst offen, falls die Infektionszahlen wieder ansteigen sollten oder Lehrer gesundheitsbedingt nicht in der Schule unterrichten können. Nach Schätzungen der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) und des Deutschen Lehrerverbandes (DL) gehören 20 bis 30 Prozent der Lehrer aufgrund ihres Alters oder Vorerkrankungen zur Risikogruppe. GEW und DL fordern deshalb wöchentliche Corona-Tests von Schülern und Lehrern auf freiwilliger Basis und den konsequenten Ausbau der digitalen Infrastruktur an den Schulen, um einen vernünftigen Fernunterricht gewährleisten zu können. Zudem müssten dafür entsprechende pädagogische und didaktische Konzepte erarbeitet werden. Gewerkschaften und Verbände befürchten, dass die Schulen wie bereits in den vergangenen Monaten weitestgehend auf sich allein gestellt sein könnten.

Viel Zeit bleibt Schulen, Kultusministerien und Lehrern nicht mehr, um sich auf den Neustart vorzubereiten. In Mecklenburg-Vorpommern öffnen die Schulpforten bereits wieder am 2. August. In Bayern, wo die Ferien erst am 7.September enden, wird man deshalb genau hinschauen, welche Erfahrungen im Norden gemacht werden.

Aus Politik und Zeitgeschichte

© 2020 Deutscher Bundestag