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Vor 35 Jahren...
Benjamin Stahl
Feldversuch mit »Tempo 100«

31.10.1985: Versuch zum Tempolimit auf Autobahnen endet Wäre ein Tempolimit auf Autobahnen gut fürs Klima? Die Frage, die ohne weiteres ins Jahr 2020 passen würde, stellte man sich in der Bundesrepublik schon vor 35 Jahren. Knapp zehn Monate lang wurde damals bei einem sogenannten Großversuch untersucht, wie sich eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf 100 Stundenkilometer auf den Schadstoffausstoß von Autos auswirkt. Am 31. Oktober 1985 wurden die "Tempo 100"-Schilder auf den 20 ausgewählten Autobahnabschnitten, jeder 30 bis 40 Kilometer lang, im ganzen Bundesgebiet wieder abgebaut. Wenige Wochen später folgte das Fazit aus dem 14 Millionen D-Mark teuren Versuch.

Wie der TÜV damals errechnete, hatte das Limit den Stickoxid-Ausstoß nur um 32.170 Tonnen im Jahr gesenkt - rund zehn Prozent weniger gegenüber den Werten der Richtgeschwindigkeit von 130 Stundenkilometern. Allerdings hatten sich während der Testphase auch nur 30 Prozent der Autofahrer an das Tempolimit gehalten. Hätten alle das Tempo 100 beachtet, hätten laut TÜV bis zu 90.000 Tonnen eingespart werden können.

Für die Bundesregierung bewies das Ergebnis, dass man nur mit umweltfreundlicheren Autos den Schadstoffausstoß nachhaltig verringern könne. Das Kabinett lehnte im November 1985 ein Tempolimit ab und appellierte an die Bürger, auf schadstoffärmere Fahrzeuge umzusteigen. Der Bund für Umwelt und Naturschutz nannte die Entscheidung einen "Akt schlimmster Umweltkriminalität".

Aus Politik und Zeitgeschichte

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