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BILDUNG
Alexander Weinlein
Eine Nobelpreisträgerin als Vorbild

Liberale und Linke fordern eine verstärkte Förderung der MINT-Fächer

Noch immer wählen zu wenig Studierende ein Fach aus dem MINT-Bereich, noch immer gibt es zu wenige Fachkräfte in der MINT-Branche. Das war der Tenor der Debatte am vergangenen Freitag über vier Anträge der Opposition zur Förderung von MINT-Fächern. MINT steht für die Bereiche Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft, Technik.

In einem ihrer drei Anträge fordert die FDP-Fraktion (19/22299), die MINT-Fächer bereits in der frühkindlichen Bildung in Kitas aber auch später an Grundschulen zu stärken. Die Liberalen sprechen sich für eine "MINT- und Digitalisierungsoffensive" in den Schulen aus. Kinder sollten unabhängig von ihrer sozialen Herkunft, ihrem Geschlecht oder ihrem Wohnort die Möglichkeit haben, sich mit Zukunftskompetenzen und -berufen auseinanderzusetzen. Deutschlands Wirtschaft würden bis zum Jahr 2023 rund 700.000 Tech-Spezialisten fehlen, warnte Thomas Sattelberger (FDP). "Aber leider sind der Bundesregierung beim Thema MINT beide Arme eingeschlafen."

Ein immer wiederkehrendes Thema in der Debatte war die geringe Anzahl von Frauen in MINT-Berufen. Sowohl Karamba Diaby (SPD) wie auch Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) verwiesen auf die Vorbildrolle von und für Frauen durch die aktuelle Vergabe des Chemie-Nobelpreises an die in Berlin forschende Emmanuelle Charpentier. "Aus Studien wissen wir, dass es ein ganz entscheidender Faktor für die spätere Berufswahl ist, dass Mädchen MINT-Vorbilder haben", sagte Karlizcek. Und Margit Stumpp (Bündnis 90/Die Grünen) monierte die immer noch bestehenden "Rollenstereotypen" beim Thema Frauen und Technik.

Aktionsplan der Regierung In ihrem zweiten Antrag fordert die FDP-Fraktion (19/22300) die Bundesregierung auf, eine Bund-Länder-Arbeitsgruppe zu initiieren, die einen Zukunftsvertrag für moderne Bildung ausarbeitet. In ihrem dritten Antrag (19/23118) setzen sich die Liberalen dafür ein, gemeinsam mit den Bundesländern die Vermittlung von marktwirtschaftlichen Zusammenhängen und MINT-Fächern zu fördern, insbesondere durch Programme, die bisher vernachlässigte Gruppen wie Kinder aus bildungsärmeren Haushalten verstärkt mit einbeziehen.

Die CDU-Abgeordnete Sybille Benning (CDU) betonte, dass viele Forderungen der FDP bereits im MINT-Aktionsplan der Regierung verankert seien und umgesetzt würden.

Die Linke wiederum fordert die Bundesregierung in ihrem Antrag (19/17792) auf, ihren MINT-Aktionsplan zu überarbeiten und um die Handlungsfelder "Ethik und Technikfolgenabschätzung" sowie "Politik, Gesellschaft und Technikentwicklung" zu erweitern. Zudem müsse im Rahmen der MINT-Bildung auch ein kritisch-reflexives Handeln gefördert werden. Birke Bull-Bischoff (Linke) betonte, Herausforderungen und Themen wie Klimawandel, Digitalisierung der Gesellschaft, Demokratieentwicklung, eine gerechte Weltwirtschaft sowie Nachhaltigkeit müssten aktiv mitgestaltet werden.

Der AfD-Parlamentarier Michael Espendiller bezeichnete die von der FDP- und Linksfraktion vorgelegten Anträge als "furchtbar". Alles, was Kinder, Schüler und Studenten mitbringen müssten, um in den MINT-Berufen erfolgreich zu sein, seien die beiden alten Tugenden "Fleiß und Disziplin". Dies erfordere kein reiches Elternhaus, lautete sein Resümee.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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