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Gastkommentare - Contra
Heike Göbel
Zutrauen statt Quote

Parität erzwingen?

E in klarer Befund: Gemessen an ihrem Bevölkerungsanteil sind Frauen in den deutschen Parlamenten unterrepräsentiert. Statt gut die Hälfte stellen sie im Schnitt bloß etwa ein Drittel der Abgeordneten in Bund und Ländern. Allein aus der geringeren Zahl der Sitze zu folgern, die besonderen Interessen von Frauen - welche immer das sein mögen - seien nicht hinreichend gewahrt, wäre aber falsch. Alle Parteien wissen, dass sie ihre Chance auf Mehrheit nur wahren, wenn sie auch um die Stimmen der Wählerinnen werben. Wie sie das tun, ob allein durch Programme oder auch über die Auswahl ihres Personals nach selbstverordnetem Genderproporz, ist ihre Sache - und sollte es bleiben. Sie machen es auch gar nicht schlecht. Schließlich steht Frauen heute rechtlich der Weg in die Politik auf allen Ebenen so offen wie Männern. Sie sind auch nicht nur auf dem Papier gleichberechtigt. Frauen sind oft besser ausgebildet als Männer und die Sorge um die Kinderbetreuung nimmt der Staat Eltern inzwischen so weit wie möglich ab.

Dem harten Wettbewerb um Listenplätze und Wahlkreise müssen sich Frauen dann aber auch stellen wie Männer. Dass sie sich durchboxen können, beweisen weiblich Vorbilder bis hinauf zur Kanzlerin. Frauen brauchen im politischen Ausleseprozess keinen Schonraum durch die gesetzliche Vorgabe quotierter Listen oder gar Wahlkreise. Fürsorgliche Paritätsgesetze wie in Brandenburg und Thüringen sind Ausdruck fehlenden Zutrauens in die Stärke von Frauen, sie machen Frauen kleiner als sie sind. Je schneller nach den Thüringern auch die Brandenburger Verfassungsrichter den Quotenzwang kippen, desto besser für die Frauen und die (Wahl)Freiheit.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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