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Ortstermin: Annemarie-Renger-Straße eröffnet
Lisa Brüßler
Mehr Frauen für die Berliner Straßen

Wer seit vergangener Woche die Annemarie-Renger-Straße sucht, findet nun nicht mehr nur Treffer in Mainz, Gifhorn, München und Sinsheim, sondern auch einen in der Bundeshauptstadt: Die Straße zwischen dem sich gegenüberliegendem Bundeskanzleramt und dem Bundestagsgebäude, dem Paul-Löbe-Haus, ist nach der ersten Parlamentspräsidentin des Deutschen Bundestags, der Sozialdemokratin Annemarie Renger, benannt. Bei schönster Herbststimmung wurde die Straße und die umgestaltete Freifläche mit LED-Lichtsäulen und neuen Wasserspielen im Berliner Regierungsviertel eröffnet

Damit bekommt die Herrenrunde der nach bedeutenden Politikern benannten Straßen im Regierungsviertel erstmals weibliche Gesellschaft: Die 150 Meter lange Annemarie-Renger Straße verbindet in Nord-Süd-Richtung die Otto-von-Bismarck-Allee mit der Paul-Löbe-Allee, angrenzend liegen die Konrad-Adenauer-Straße und die Willy-Brandt-Straße.

Renger gehörte dem Deutschen Bundestag ab 1953 für 37 Jahre lang ohne Unterbrechung an und war von 1972 bis 1976 dessen erste weibliche Präsidentin. Sie wurde am 7. Oktober 1919 in Leipzig geboren. Im Bundestag war sie unter anderem Mitglied im Innenausschuss, im Entwicklungshilfeausschuss und im Auswärtigen Ausschuss. Am 3. März 2008 starb sie im Alter von 88 Jahren nach langer Krankheit.

Dass die Straße nach Renger benannt wurde, geht auf eine Entscheidung der Bezirksverordnetenversammlung Berlin-Mitte zurück. Die für Parks und Grünflächen zuständige Bezirksstadträtin Sabine Weißler (Grüne) sagte bei der Eröffnung, es gebe die Regel im Bezirk, mehr Straßen nach Frauen zu benennen - denn besonders im Regierungsviertel dominierten Männer das Straßen(schild)-Bild. Dies werde nun korrigiert.

Auch Berlins Bausenator, Sebastian Scheel (Die Linke), zeigte sich zufrieden: Auf der Fläche zwischen Kanzleramt und dem Parlament solle Politik nahbar werden und Menschen dazu bewegen, dorthin zu kommen, sagte er. Freifläche und Straße bildeten nun den Abschluss der über 25 Jahre dauernden und gemeinsam von Bund und Land finanzierten Entwicklungsmaßnahme "Hauptstadt Berlin - Parlaments- und Regierungsviertel" im inneren Spreebogen.

Die Kosten für die Umbaumaßnahmen beliefen sich auf rund 4,2 Millionen Euro. Ein Jahr lang wurde an der Straße und der Gestaltung der Freifläche gearbeitet. Dabei wurde die Straße verbreitert und erhielt Radfahrwege, breitere Gehwege und Granit-Sitzblöcke.Lisa Brüßler

Aus Politik und Zeitgeschichte

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