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Aschot Manutscharjan
Kurz rezensiert

Wer glaubt, in Bezug auf wirtschaftliche Stabilität und Wachstum werde hierzulande alles richtig gemacht, sollte Alexander Hagelüken lesen. Der Leitende Redakteur für Wirtschaftspolitik der "Süddeutschen Zeitung" widerlegt eine Reihe unserer beliebtesten Wirtschaftsmythen, außerdem räumt er mit den antieuropäischen Thesen der Rechtspopulisten auf. Zudem weist er nach, dass die beiden Generationen, die auf das Wirtschaftswunder folgten, falsche geldstrategische Entscheidungen getroffen haben, indem sie sich auf das Sparbuch zur Zukunftsvorsorge verließen. Dies habe dazu geführt, dass "wenige reiche deutsche Haushalte so viel besitzen wie 40 Millionen andere".

Das Sparbuch als Geldanlage habe die Ungleichheit zementiert: Was die ganze Bevölkerung hart erarbeitet und auf das Sparbuch gelegt habe, komme vor allem ein paar Reichen zugute. Obwohl Deutschland und Österreich in der Eurozone die höchste Wirtschaftsleistung erarbeiteten, würde der mittlere deutsche Haushalt mit 61.000 Euro und der mittlere österreichische mit 85.000 Euro deutlich weniger besitzen als der durchschnittliche Haushalt der Eurozone mit 100.000 Euro. Nach 75 Jahren Marktwirtschaft besäßen die Deutschen damit so viel wie die Polen, die die längste Zeit im Sozialismus gelebt hätten. "Härter kann ein Bankrott kaum ausfallen", lautet Hagelükens Urteil.

Ausdrücklich kritisiert der Journalist die Strategie der globalen Internet-Konzerne Amazon, Facebook und Alibaba, die nicht nur das Bargeld und damit ein gutes Stück Privatsphäre abschaffen wollten. Vielmehr arbeiteten sie daran, mit ihren eigenen Kryptowährungen Bitcoin oder Libra die nationalen Währungen gleich ganz zu ersetzen.

Das quellenreiche Buch ist ein wirtschaftlich-politisches Manifest mit vielen überzeugenden Empfehlungen für die deutsche und die europäische Politik. Hagelüken ist ein wichtiger Beitrag zur Finanzbildung gelungen. Seine gut lesbare Analyse sollte in Schulen Pflichtlektüre sein.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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