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Aschot Manutscharjan
Kurz Rezensiert

Die US-Autoren des Bestsellers "Warum Nationen scheitern" verteidigen auch in ihrem neuen Buch die Demokratie und die universellen Menschenrechte. Diesmal geht es ihnen weniger um den politischen Kampf für Freiheit in Despotien, sondern um die Prozesse in den Demokratien selbst. In einer verständlichen Sprache erklären Daron Acemoglu und James A. Robinson die Entstehung, Entwicklung und Verfahren demokratischer Systeme. Einen Schwerpunkt legen sie auf die Frage: Wie viel Staat ist eine demokratische Gesellschaft bereit zu akzeptieren, um Gewalt und Gesetzlosigkeit zu verhindern?

Die Hauptthese ihres sehr empfehlenswerten Buches lautet denn auch, dass das "Kräftegleichgewicht zwischen Staat und Gesellschaft, zwischen den Mächtigen und den weniger Mächtigen stets neu ausgehandelt werden muss, um es stabiler zu machen und das Abdriften aus dem Korridor der Freiheit zu verhindern". Letztendlich beruhe die Macht der Gesellschaft auf Organisation und Mobilisierung. Als Beispiel führen die beiden prominenten Wirtschaftswissenschaftler die erfolgreiche Geschichte der Frauenemanzipation in Großbritannien an, wo Frauen ihre Rechte hart erkämpfen mussten. Die Suffragette Emily Davidson sprang beim Epson Derby am 4. Juni 1913 vor ein Rennpferd, um so Aufmerksamkeit für das Frauenwahlrecht zu erzeugen. Ein Jahrhundert später begannen die Frauen in den USA den Kampf gegen sexuelle Belästigung und Übergriffe. Auch wenn die Mobilisierung weltweit nicht zu Gleichheit und Sicherheit geführt habe, hätten es die mächtigen Männer heutzutage schwerer, Frauen zu belästigen.

Acemoglu und Robinson sind überzeugt, dass die Fortschritte der Menschheit davon abhängen, ob die staatliche Leistungsfähigkeit mit den neuen Herausforderungen Schritt hält. Dies werde nur gelingen, wenn sich die Gesellschaft entsprechend engagiere.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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