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Gastkommentare - Pro
Martin Ferber, "Badische Neuste Nachrichten", Karlsruhe
Ängste nehmen

Mehr Vertrauen ins Organspende-System?

D er Widerspruch ist eklatant. Zwar finden 84 Prozent der Deutschen eine Organspende grundsätzlich gut, aber nur 36 Prozent haben auch einen Organspendeausweis und dokumentieren so ihre Bereitschaft, im Falle ihres Todes ein Organ zur Verfügung zu stellen. Die Folgen sind bekannt - Deutschland rangiert bei der Zahl der Organspenden, bezogen auf die Einwohnerzahl, im europäischen Vergleich am unteren Ende. Das hat zum Teil mit Nichtwissen, viel mehr indes mit Misstrauen zu tun, wozu auch Skandale in der Transplantationsmedizin beigetragen haben.

Mit der nun vom Bundestag verabschiedeten Neuregelung endet eine jahrelange intensiv geführte Debatte über eine Reform der Spendenpraxis, die ebenfalls zur Verunsicherung beigetragen hat. Nun herrscht Klarheit; es bleibt dabei, dass potenzielle Spender ihre Bereitschaft zu Lebzeiten aktiv dokumentieren müssen. Das eröffnet die Chance, neues Vertrauen aufzubauen, Ängste zu nehmen und die Bereitschaft zur Spende signifikant zu erhöhen.

Nachdem der Gesetzgeber seinen Part erledigt hat, stehen nun die Krankenhäuser und Mediziner in der Pflicht, mit der nötigen Sensibilität aufzuklären und bestehende Vorurteile zu beseitigen. Eine zentrale Rolle spielen dabei die Transplantationsbeauftragten der Kliniken als persönliche Ansprechpartner. Zudem müssen in den Entnahmekliniken die Voraussetzungen geschaffen werden, den Hirntod festzustellen und die nötige Expertise in der Ärzteschaft herzustellen. Die bestehenden Defizite in den Krankenhäusern sind auch ein Grund dafür, dass es so wenig Organtransplantationen gibt. Die grundsätzliche Bereitschaft zum Spenden ist da. Nun liegt es an den Akteuren im Gesundheitswesen, sie nicht zu verspielen.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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