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FAMILIE
Alexander Weinlein
Nur noch mit Begleitung

Ministerin Giffey will Adoptionsrecht reformieren

Die Zahl der Adoptionen in Deutschland hat sich in den vergangenen 25 Jahren stark reduziert und fiel von 8.687 im Jahr 1992 auf 1.733 im Jahr 2018. Nun soll nach dem Willen der Regierungskoalition das Adoptionsrecht modernisiert werden, Adoptiv- und Herkunftseltern sowie ihre Kinder mehr Unterstützung und Beratung erhalten. Über den von Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) vorgelegten Gesetzentwurf (19/16717) debattierte der Bundestag in der vergangenen Woche in erster Lesung und überwies ihn zur weiteren Beratung in den Familienausschuss.

Konkret möchte Giffey einen Rechtsanspruch auf eine nachgehende Beratung und Begleitung aller an der Adoption Beteiligten durch eine Adoptionsvermittlungsstelle einführen. Im Fall von Stiefkindadoptionen sieht der Entwurf zudem eine verpflichtende Beratung vor Ausspruch der Adoption vor. Die Adoptionsvermittlungsstellen sollen eine altersgerechte Aufklärung des Kindes über die Adoption leisten und mit den biologischen Eltern und den Adoptiveltern erörtern, ob und wie ein Informationsaustausch oder Kontakt zwischen ihnen im Sinne des Kindeswohls stattfinden kann. Diese Gespräche soll mit dem Einverständnis aller Beteiligten regelmäßig wiederholt werden.

Der Gesetzentwurf sieht zudem vor, dass den biologischen Eltern ein Recht zu jenen Informationen über ihr leibliches Kind gewährt wird, welche die Adoptiveltern freiwillig an die Adoptionsvermittlungsstelle weitergeben.

Verschärft werden sollen die Auflagen bei Auslandsadoptionen. Sie sollen zukünftig ausschließlich über eine Adoptionsvermittlungsstelle möglich sein. Zudem soll für Adoptionsbeschlüsse im Ausland ein verpflichtendes Anerkennungsverfahren im Inland eingeführt werden. Die Anerkennung von einer unbegleiteten Adoption soll nur dann möglich sein, wenn sie für das Kindeswohl erforderlich ist.

Mit Ausnahme der AfD-Fraktion begrüßte auch die Opposition trotz einzelner Kritikpunkte die Gesetzesvorlage. So sollte die Stiefkindberatung im Fall lesbischer Paare vereinfacht statt durch die Pflichtberatung zusätzlich erschwert werden, monierten FDP, Linke und Grüne. Zudem forderten sie eine bessere personelle Ausstattung der Adoptionsvermittlungsstellen.

Die AfD hingegen wies die Gesetzesvorlage als "mangelhaft" zurück. Die Anforderungen an potenzielle Adoptiveltern seien im europäischen Vergleich zu hoch. Vor allem die Adoption von Heimkindern müsse erleichtert werden.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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