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Aufgekehrt
Sören Christian Reimer
Gabriel bleibt sich treu

Sigmar Gabriel wird Aufsichtsratsmitglied bei der Deutschen Bank. Ein konsequenter Schritt, bleibt der Ex-SPD-Chef, Ex-Minister und Ex-Parlamentarier doch in bekannten Gefilden. Schließlich ist die Deutsche Bank die SPD der Finanzwelt. Das Bankhaus blickt wie die Partei auf eine lange Geschichte, die bis ins 19. Jahrhundert zurückreicht. Ohne die beiden ging in der Bundesrepublik lange nichts. Die Bank finanzierte die sprichwörtliche Deutschland AG, die SPD regierte Land und Länder. Die Deutsche Bank hatte einen Hilmar "Peanuts" Kopper und Josef "Victory" Ackermann, die SPD Gerhard "Basta" Schröder und Helmut "Rauchwolke" Schmidt. Wenn der DB-Vorstandsvorsitzende hustete, war das eine börsenrelevante Nachricht; sprach der SPD-Chef, dann fragte man sich nicht, ob die eigenen Minister überhaupt zuhören.

Und heute? Waren die Namen der Vorsitzenden einst Allgemeinwissen, muss man inzwischen regelmäßig googeln, wer eigentlich gerade an der Spitze steht und demnächst gefrustet das Handtuch werfen wird. Ein "Neuanfang" jagt den nächsten. Anspruch - Volkspartei die einen, global bedeutendes Finanzinstitut die anderen - und Realität - gerundete 15 Prozent in Umfragen, 5,7 Milliarden Euro Miese in 2019, Aktienkurs unter acht Euro - klaffen auseinander. Schröder holte 1998 40,9 Prozent, die Bank lag 2007 an der Börse über 100 Euro. Immerhin: Bei der SPD gehen nur wechselnde Führungsteams ein und aus, bei der Deutschen Bank Staatsanwälte und Ermittler. Für die Bank verspricht Gabriel da fast schon Stabilität: Er übernahm die Partei bei 23 Prozent, als er ging, waren es immerhin noch 21.

Im Grunde hilft nur Fusion oder Übernahme.Sören Christian Reimer

Aus Politik und Zeitgeschichte

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