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Gastkommentare - Contra
Daniela Vates
Grund zu Zuversicht

Droht eine Renationalisierung der Poltik?

F ür Pessimismus lassen sich viele Gründe finden: Großbritannien verabschiedet sich aus der EU; diese scheitert seit Jahren an einer ihrer zentralen Herausforderungen, der Flüchtlingspolitik. China umarmt die Welt, um sie zu erobern. Frankreichs Präsident Macron erklärt zwischendurch mal eben die Nato für hirntot. Die Uno wirkt in ihrer Schwerfälligkeit schon länger dysfunktional. Die "America first"-Schreie von der anderen Seite des Atlantiks sind noch gut im Ohr und Russland macht ohnehin seins.

Der kurzfristige eigene Vorteil lässt sich nun mal leichter vermarkten. Er drängt sich ungeduldig vor das Bemühen um Kompromisse und um mittel- und langfristige Ziele, die allen nützen und nicht nur einem. Aber der Versuch, sich über den Egotrip Grenzziehung von der Welt abzukapseln, ist eine theatralische Scheinlösung, die mehr Probleme verursacht als löst. Einzelne Gruppen mögen profitieren, wenn Staaten ihre Ellbogen ausfahren und jeder alleine vor sich hin wurstelt. In der Summe aber ist dieser Weg der ineffizientere und auch der kostspieligere. Die zentralen Herausforderungen der Zeit lassen sich nur gemeinsam lösen. Das gilt fürs Klima, das sich nicht um Grenzen schert, genauso wie für die Lösung von Konflikten und Kriegen, für die es häufig auch globale Ursachen gibt.

Gerade zeigt die Corona-Krise, wie viel besser man als Team vorankommt. Die EU hält, trotz Brexit und einigem anderen Ärger, bemerkenswert zusammen. Die USA will dem Klimaschutzabkommen wieder beitreten. Die Nato diskutiert über Reformen. Es gibt also Gründe für Zuversicht. Die braucht Multilateralismus genauso wie Geduld und die Entschlossenheit, nicht aufzugeben, wenn es Hindernisse oder Rückschritte gibt.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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