Inhalt

Kandidaten
Helmut Stoltenberg
Zwei Drittel sind Männer

6.211 Bürger bewerben sich um ein Mandat. 40 Parteien hoffen auf die Zweitstimme

Es ist kein Job wie jeder andere: "Sie sind", heißt es im Grundgesetz, "Vertreter des ganzen Volkes, an Aufträge und Weisungen nicht gebunden und nur ihrem Gewissen unterworfen": die Abgeordneten des Deutschen Bundestages. 6.211 Frauen und Männer stellen sich am kommenden Sonntag dem Votum der rund 60,4 Millionen Wahlberechtigten, um in das oberste deutsche Parlament einzuziehen. So viele Bewerber - fast 1.400 mehr als vor vier Jahren: - hat es bei einer Bundestagswahl noch nie gegeben. Bei der Wahl 2017 waren lediglich 4.827 Kandidaten angetreten, um ein Bundestagsmandat zu erringen; immerhin die bis dahin zweithöchste Zahl. Nur bei der Bundestagswahl 1998 hatten bislang mehr Bürger von ihrem passiven Wahlrecht Gebrauch gemacht und sich zur Wahl gestellt, nämlich 5.062.

Mit 2.024 Frauen liegt der Anteil der Kandidatinnen in diesem Jahr bei 32,6 Prozent. Das entspricht bei weitem nicht ihrem Anteil von 51,7, Prozent aller Wahlberechtigten, ist aber ebenfalls ein historischer Rekordwert. Vor vier Jahren lag der Anteil der Kandidatinnen mit 29,0 Prozent noch unter dem bis dahin höchsten Frauenanteil aller gesamtdeutschen Bundestagswahlen, der 1994 mit 29,5 Prozent erreicht wurde.

566 MdB kandidieren wieder 1.284 der aktuellen Bewerber kandidieren nach Angaben von Bundeswahlleiter Georg Thiel nur in einem Wahlkreis und 2.851 ausschließlich auf einer Landesliste. 2.076 bewerben sich sowohl in einem Wahlkreis als auch auf einer Landesliste um einen Sitz im nächsten Bundestag.

Von den derzeit 709 "MdB", den Mitgliedern des Bundestages, kandidieren 566 wieder für ein Mandat: 193 von der CDU/CSU-Fraktion, 109 Sozialdemokraten, 77 Mitglieder der AfD-Fraktion, 73 Freidemokraten, 52 Linke und 61 Grüne.

Insgesamt nehmen von 54 zugelassenen Parteien letztendlich 47 an der Wahl teil, mehr als je zuvor in der Geschichte der Bundesrepublik. 14 davon beteiligen sich erstmals an einer Bundestagswahl. Die Zahl der parteilosen Direktkandidaten beziehungsweise Wählergruppen beläuft sich auf 197, daneben treten sieben Parteien nur mit Wahlkreiskandidaten an. Die restlichen 40 Parteien werben auf insgesamt 338 Landeslisten um die ausschlaggebenden Zweitstimmen der Wähler, die über das Kräfteverhältnis im neuen Bundestag entscheiden. Die größte Auswahl haben dabei die 12,8 Millionen Wahlberechtigten in Nordrhein-Westfalen, die zwischen den Landeslisten von 27 Parteien wählen können; am wenigsten Landeslisten gibt es mit 15 im Saarland. Bei gut jeder dritten Landesliste (36 Prozent) steht eine Frau auf Listenplatz eins.

Wie stets tritt die CDU in allen Bundesländern außer Bayern an, während ihre Schwesterpartei CSU nur im weiß-blauen Freistaat zur Wahl steht. Elf weitere Parteien - SPD, AfD, FDP, Die Linke, Freie Wähler, "Die Partei", Tierschutzpartei, NPD, ÖDP, MLPD und Volt - bewerben sich in allen 16 Ländern mit Landeslisten. Die Grünen stellen im Saarland keine Landesliste, nachdem ihre Beschwerde gegen die Ablehnung ihrer Landesliste vom Bundeswahlausschuss abgelehnt wurde.

Nur in je einem Land präsentieren sich wie die CSU noch zehn weitere Parteien mit Listen. Mit Direktkandidaten in allen 299 vertreten sind die CDU beziehungsweise in Bayern die CSU sowie die SPD, die FDP und die Grünen, während Bewerber der AfD in 293 Wahlkreisen und Kandidaten der Linken in 296 Wahlkreisen zur Wahl stehen.

Insgesamt beläuft sich die Zahl der Direktkandidaten unter Berücksichtigung aller Parteien, Wählergruppen und Einzelbewerbern auf 3.360. Von ihnen sind 960 oder 28,6 Prozent Frauen, die vor vier Jahren lediglich 25 Prozent aller Direktkandidaten ausmachten. Erstmals findet sich bei den Direktkandidaturen 2021 als Geschlechtsangabe auch ein Eintrag unter "divers". Ausschließlich Männer stehen in insgesamt fünf Wahlkreisen als Direktkandidaten zur Wahl; 2017 war dies noch in 29 Wahlkreisen der Fall. Im Durchschnitt treten pro Wahlkreis elf Kandidaten an.

Unter den im Bundestag vertretenen Parteien liegt der Frauenanteil bei den Direktkandidaturen in den Wahlkreisen mit 48,2 Prozent am höchsten bei den Grünen, gefolgt von der SPD mit 39,5 Prozent und der Linken mit 34,1 Prozent, während es bei der CDU 24,9 Prozent sind, bei der FDP 22,0 Prozent, bei der CSU 21,7 Prozent und bei der AfD 13,0 Prozent.

Die Zahl aller Landeslistenbewerber beträgt in diesem Jahr 4.927, von denen 1.752 und damit 35,6 Prozent Frauen sind. Auch auf ihren Landeslisten weisen die Grünen mit 55,5 Prozent den höchsten Frauenanteil aller im Bundestag sitzenden Parteien auf vor der Linken mit 51,3 Prozent. Bei der CSU stehen mit 50 Prozent ebenso viele Frauen wie Männer auf der Landesliste, während der Frauenanteil auf den SPD-Landeslisten insgesamt 44,3 Prozent beträgt und auf den CDU-Listen insgesamt 43,4 Prozent. Die FDP kommt dagegen auf ihren Landeslisten lediglich auf einen Frauenanteil von 25 Prozent und die AfD nur einen von 14.4 Prozent.

Betrachtet man den Frauenanteil der jeweiligen Gesamtzahl aller Kandidaturen dieser Parteien, liegen wiederum die Grünen mit 53,9 Prozent an der Spitze, gefolgt von der SPD mit 43,4 Prozent. Die CDU kommt dabei auf 40,4 Prozent, die CSU auf 40,0 Prozent und Die Linke auf 38.0 Prozent. Bei der FDP machen die Frauen 24 Prozent aus und bei der AfD 13,4 Prozent. Bei drei Parteien treten übrigens ausschließlich Frauen an, während vier weitere ausschließlich Männer aufgestellt haben.

Durchschnittsalter 45,5 Jahre Genau 200 Bewerber sind seit der Wahl von 2017 volljährig geworden und können nun erstmals für den Bundestag kandidieren. Der jüngste Bewerber ist 18 Jahre alt und kandidiert für die Grünen auf der Landesliste in Nordrhein-Westfalen, der älteste Kandidat ist 91 und bewirbt sich für die ÖDP auf der sächsischen Landesliste. Das Durchschnittsalter aller Bewerber liegt mit 45,5 Jahren leicht unter dem bei der Bundestagswahl von 2017 mit 46,9 Jahren.

Mit 25 Prozent aller Bewerber stellt die Altersgruppe der 50- bis 59-Jährigen die meisten Kandidaten, gefolgt von den 30 bis 39-Jährigen mit 20 Prozent und den 40- bis 49-Jährigen mit 19 Prozent. Die 18- bis 29-Jährigen stellen zusammen 17 Prozent, die 60-bis 69-Jährigen 15 Prozent, und vier Prozent sind 70 Jahre und älter. Von den etablierten Parteien haben laut Bundeswahlleiter die Grünen die jüngsten Bewerber mit im Durchschnitt 41,8 Jahren aufgestellt und die AfD mit durchschnittlich 51,6 Jahren die ältesten.

Berufsgruppen Unter den Berufsgruppen ist bei den Kandidaten der Bereich "Unternehmensorganisation, Recht, Verwaltung" mit 1.983 Bewerbern oder 32 Prozent mit Abstand am stärksten repräsentiert vor dem Sektor "Gesundheit, Soziales, Lehre und Erziehung" mit 972 Kandidaten oder 15,6 Prozent. Ferner verzeichnet die Statistik des Bundeswahlleiters unter den aktuellen Bundestagskandidaten unter anderem 569 Schüler, Auszubildende und Studenten (9,2 Prozent aller Bewerber), 270 Rentner und Pensionäre (4,3 Prozent) sowie 36 "Hausfrauen/-Männer, Arbeitssuchende" (0,6 Prozent).

Aus Politik und Zeitgeschichte

© 2021 Deutscher Bundestag