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Beteiligung
Lisa Brüßler
Jüngere mit Potential nach oben

Mehr Lust aufs Wählen bei den Wahlberechtigten ab 40 Jahren aufwärts

Bundeswahlleiter Georg Thiel rechnet bei dieser Bundestagswahl mit neuen Rekorden bei der Anzahl der Briefwähler. Ob dadurch auch eine Trendwende bei der Wahlbeteiligung entsteht, ist offen. Diese kennt seit vierzig Jahren einen Abwärtstrend. Bei der Bundestagswahl vor vier Jahren lag sie bei 76,2 Prozent. Ihren Tiefstand erreichte sie bei der Bundestagswahl 2009: Damals gingen nur 70,8 Prozent der Wahlberechtigten an die Urnen. Auch bei der Wahl 2013 lag die Wahlbeteiligung nur geringfügig darüber. Die höchste Wahlbeteiligung bei einer Bundestagswahl wurde 1972 verzeichnet, als 91,1 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme abgaben; bei der freien Volkskammerwahl in der DDR 1990 waren es gar 93,4 Prozent.

Ein Blick auf die Wahlbeteiligung bei der Abstimmung 2017 zeigt, dass sich die der Frauen erstmals sehr stark an die der Männer annäherte: Sie lag mit 76,0 Prozent nur noch 0,3 Prozentpunkte darunter. Dagegen zeigten sich regional erneut deutliche Unterschiede: So gab es in keinem Wahlkreis im Osten Deutschlands eine höhere Wahlbeteiligung als 80 Prozent. In den Flächenländern im Westen übertrafen dagegen 32 von insgesamt 230 Wahlkreisen die 80-Prozent-Marke.

In Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Thüringen nahmen jeweils weniger als drei Viertel der Stimmberechtigten ihr Wahlrecht wahr, was in Westdeutschland nur in Bremen der Fall war; bundesweites Schlusslicht war Sachsen-Anhalt, wo mit 68,1 Prozent nur gut zwei von drei Wahlberechtigten ihre Stimme abgaben. Gut zehn Prozentpunkte darüber lag als Spitzenreiter Baden-Württemberg, das mit 78,3 Prozent die höchste Wahlbeteiligung vor Bayern mit 78,1 Prozent verzeichnete. Der Wahlkreis mit der geringsten Wahlbeteiligung lag dagegen mit Duisburg II (64,7 Prozent) im Westen, gefolgt von den Wahlkreisen Anhalt (65,9 Prozent) und Harz (66,6 Prozent) in Sachsen-Anhalt. Im bayerischen Wahlkreis München-Land sorgten die Wähler hingegen für den Spitzenwert von 83,9 Prozent.

Auch beim Vergleich der Altersgruppen lassen sich deutliche Unterschiede erkennen: Eine überdurchschnittliche Wahlbeteiligung zeigte sich 2017 bei den Wahlberechtigten zwischen 40 und 69 Jahren. Die 60- bis 69-Jährigen lagen 4,8 Prozentpunkte über dem Durchschnitt, die 50- bis 59-Jährigen immerhin noch 3,2 Prozentpunkte. Auch bei den 40- bis 49-Jährigen lagen die Werte über dem Durchschnitt, während die jüngeren Altersgruppen ins Minus rutschen: Mit 9,2 Punkten unter dem Gesamtwert verzeichneten die 21- bis 24-Jährigen die niedrigste Wahlbeteiligung im Vergleich aller Altersgruppen. Die 18- bis 20-Jährigen Erstwähler lagen 6,3 Prozent darunter und auch die 25- bis 29-Jährigen wiesen mit minus 7,6 Prozent unterdurchschnittliche Werte auf. Das überrascht nicht, denn diese Altersgruppen waren bei allen Bundestagswahlen von 1953 bis 2017 diejenigen, die sich am wenigsten beteiligten. Angenähert an den Gesamtwert lagen 2017 die Gruppen der 30- bis 34-Jährigen (minus 4,2 Prozent) und der 35- bis 39-Jährigen (minus 1,8 Prozent). Leicht unterdurchschnittlich (minus 0,4 Prozent) votierten die über 70-Jährigen, deren Werte bei den vergangenen beiden Bundestagswahlen noch deutlich höher gelegen hatten.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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