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LANDWIRTSCHAFT
Christian Hunziker
Mehr Wertschätzung für die Erzeuger

Vorschläge zu EU-Agrarpolitik und gesunder Ernährung

Mehr Wertschätzung für Landwirte - diese Forderung findet sich sinngemäß in allen Wahlprogrammen der im Bundestag vertretenen Parteien. Ansonsten weichen die Forderungen und Vorschläge im Bereich Landwirtschaft und Ernährung deutlich voneinander ab - zum Beispiel bei der Einschätzung der EU-Agrarpolitik: Während SPD, Bündnis 90/Die Grünen und Die Linke sich für eine Neuausrichtung der Agrarförderung hin zu einer umweltschonenderen Landwirtschaft aussprechen, plädiert die FDP für einen Abbau der EU-Agrarsubventionen. Die AfD fordert, die Zuständigkeit für die Agrarpolitik wieder ganz in die Hände der Nationalstaaten zu legen.

Kükentötung Allgemein für eine Stärkung der Landwirtschaft sprechen sich CDU und CSU aus, wobei sie auch die Möglichkeiten der Digitalisierung und der neuen Technologien nutzen wollen. Hinzu kommen eine Reihe von Einzelforderungen. So sollen das Töten männlicher Küken beendet sowie Bienen und andere Insekten besser geschützt werden.

Im Ernährungsbereich sprechen sich die Christdemokraten und -sozialen für eine Bekämpfung der Lebensmittelverschwendung und eine verpflichtende Tierwohlkennzeichnung aus.

Ein verbindliches Label für nachhaltige Nahrungsmittel fordert auch die SPD, außerdem eine gesunde Ernährung für alle und faire Preise für Lebensmittel. Den Produzenten und dem Handel wollen die Sozialdemokraten untersagen, genießbare Lebensmittel wegzuwerfen. Darüber hinaus streben sie an, den Einsatz von Dünger und Pestiziden zu begrenzen und die Spekulation mit landwirtschaftlichen Flächen zu unterbinden.

Diese Forderung erheben auch die Grünen, die sich zudem für die Förderung der ökologischen Landwirtschaft mit dem Ziel aussprechen, bis zum Jahr 2030 den Anteil des Ökolandbaus auf 30 Prozent auszubauen. Im Ernährungsbereich positionieren sie sich für eine klare Lebensmittelkennzeichnung und gegen Dumpingpreise für Lebensmittel. Die vegetarische und vegane Ernährung soll attraktiver gemacht werden.

Wolfsfreie Gebiete Ganz anders die AfD: Sie hat sich die Bewahrung der traditionellen Esskultur in öffentlichen Einrichtungen auf die Fahnen geschrieben. Außerdem plädiert sie für die Förderung von bäuerlichen Familienbetrieben und die Ausweisung von wolfsfreien Gebieten. Den Pestizideinsatz reduzieren und damit Insekten schützen will Die Linke, die sich zudem für ein Verbot des Unkrautvernichtungsmittels Glyphosat und für eine Schwerpunktsetzung auf regionale Erzeugung einsetzt. Die FDP will Lebensmittelvergeudung einschränken und schlägt zu diesem Zweck ein "dynamisches Verderbslimit" anstelle des starren Mindesthaltbarkeitsdatums vor. Zudem setzen die Liberalen auf technologische Möglichkeiten und wollen das Potenzial von Smart Farming und Grüner Gentechnik nutzen.chb

Aus Politik und Zeitgeschichte

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