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Aschot Manutscharjan
Kurz REZENSIERT

Lange vor Donald Trump begann die Republikanische Partei, Fremdfeindlichkeit und paranoide Verschwörungstheorien zu verbreiten. Im Abgeordnetenhaus habe die Grand Old Party oft gegen alle parlamentarischen Traditionen gehandelt, bemerkt der 44. US-Präsident Barack Obama in seinen Erinnerungen.

Der erste Teil seiner Autobiografie hält den Vergleich mit den großen historischen Werken Winston Churchills oder Konrad Adenauers stand. In einem gut lesbaren Stil schildert er die Zeitspanne von seiner Kindheit bis zum Ende seiner ersten Amtsperiode. Der Demokrat analysiert die amerikanische Wirtschaftspolitik während der Finanzkrise und berichtet über seinen Kampf für eine Gesundheitsreform. Ohne diplomatische Rücksicht beschreibt er seine internationalen Kollegen: Putin sieht er als Chef "von etwas, das ebenso sehr einem kriminellen Syndikat ähnelte". Bei Merkel diagnostiziert er deren Abneigung gegen Demagogie als "gesunde Einstellung".

Großen Wert legt Obama darauf, seine Entscheidung für den Libyen-Krieg zu begründen. "Ich war verärgert darüber, dass Sarkozy und Cameron mir dieses Problem aufgehalst hatten, zum Teil deshalb, weil sie ihre innenpolitischen Schwierigkeiten lösen wollten, und ich verachtete die Heuchelei der Arabischen Liga". Der US-Präsident musste entscheiden, sich aus den Unruhen in Libyen herauszuhalten oder dem Gemetzel an libyschen Zivilisten Einhalt zu gebieten. In diesem Moment sei er "vielleicht der einzige Mensch auf der Welt gewesen", dies zu tun. Umgekehrt sah Obama im Fall des US-Verbündeten Bahrein den Massakern an Demonstranten tatenlos zu. Er habe "keine elegante Erklärung für diesen offenkundigen Widerspruch", räumt er ein. Und nennt dann doch eine: Die Verteidigung der Menschenrechte gehöre zwar zu den höchsten Werten Amerikas. Dennoch stellte auch er sie nicht "in jedem Fall über andere Erwägungen".

Aus Politik und Zeitgeschichte

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