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Gastkommentare - Pro
Timot Szent-Ivanyi
Vorne auf die Liste

Lehrer und Erzieher früher impfen?

B ei allen Debatten über Einschränkungen zum Schutz vor dem Corona-Virus stand in den vergangenen Monaten eine Gruppe besonders im Fokus: Kinder und Jugendliche. Politiker von Bund und Ländern betonten immer wieder, wie wichtig es ihnen sei, die Schließung von Schulen und Kindergärten auf ein absolutes Minimum zu reduzieren. Bildung, so wird auch jetzt unisono versichert, habe die oberste Priorität.

Leider handelt es sich bis heute nur um Sonntagsreden. Wenn es später einmal rückblickend darum gehen wird, welche Fehler Deutschland bei der Bewältigung der Pandemie gemacht hat, wird ein Versagen in der Bildungspolitik ganz weit oben stehen. Obwohl eine zweite Infektionswelle vorhersehbar war, wurde es im vergangenen Sommer versäumt, die Schulen flächendeckend pandemiesicher aufzustellen: Lüftungssysteme, Wechselunterricht, digitale Plattformen - um nur einige Stichworte zu nennen. In vielen Schulen beschränkt sich der Fernunterricht im Lockdown bis heute darauf, dass Lehrer die Aufgaben per E-Mail verschicken. Das ist digitale Steinzeit.

Die von der Bundesregierung festgelegte Impfreihenfolge ist ein weiterer Beleg für das Unvermögen, das Recht auf Bildung auch in Zeiten der Pandemie zu gewährleisten. Lehrer und Erzieher müssen selbstverständlich sehr weit vorn auf die Prioritätenliste gesetzt werden, um so schnell wie möglich zum Präsenzunterricht zurückkehren und Kitas öffnen zu können. Sie mit den zweifellos bestehenden Gesundheitsrisiken allein zu lassen, wäre auch angesichts der wachsenden Verbreitung hochansteckender Virus-Mutationen verantwortungslos. Wer dem Wohl der Gesellschaft dient, hat Anspruch auf besondere Fürsorge des Staates.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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