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Gastkommentare - Contra
Hagen Strauß
Geht gar nicht

Lehrer und Erzieher früher impfen?

K eine Frage, Lehrer sind besonders wichtig. Busfahrer, Verkäufer oder Polizisten aber auch. Sie und andere gehen jeden Tag volles Risiko, um das öffentliche Leben in der Corona-Krise für alle aufrechtzuerhalten. Warum bei den Impfungen also die eine bereits priorisierte Berufsgruppe anderen vorgezogen werden sollte, erschließt sich nicht.

Für Busfahrer gibt es nur ein Schutzkonzept: die Plexiglasscheibe beim Einstieg. Polizisten tragen lediglich Maske. Für Schulen liegen zahlreiche kluge Pläne vor, wie Lehrer und Schüler jenseits des vermaledeiten Homeschoolings vor dem Virus gut geschützt werden können. Zuletzt zusammengefasst von der Bundesbildungsministerin und ihren Experten. Man muss diese Konzepte inklusive umfassender Teststrategie freilich umsetzen und den Schulen in dieser Frage mehr Autonomie lassen. Das ist bis heute vielfach nicht geschehen. Diese Versäumnisse womöglich mit bevorzugten Impfungen kaschieren zu wollen, geht gar nicht.

Wer Lehrern überdies jetzt ein Sonderrecht geben will, eröffnet nur den unsäglichen Wettbewerb der Berufsgruppen um die Impfung. Denn fast jede Sparte dürfte gute Gründe haben, warum sie eher die Spritze erhalten sollte als eine andere. Diese Debatte wäre gesellschaftlich nur schwer auszuhalten. Vor allem aber: Für jeden, der vorgezogen wird, muss derzeit ein anderer zurückstecken. Das ist leider so. Nach wie vor warten Menschen sehnlichst auf eine Impfung, die sie dringender benötigen - Alte, Pflegebedürftige, Menschen mit Vorerkrankungen. Solange zu wenig Impfstoff vorhanden ist, wird es Ungerechtigkeiten geben. Die beseitigt man aber nicht dadurch, dass man neue schafft. Sondern nur mit mehr Serum.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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