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Aschot Manutscharjan
Kurz notiert

"Vereinte Nationen!", rief US-Präsident Roosevelt. "Gut!", erwiderte Britanniens Premierminister Churchill und trat splitternackt aus dem Gästebadezimmer im Weißen Haus. Das Treffen fand im Dezember 1940 statt: Der Brite wollte mit den Amerikanern die weitere Zusammenarbeit im Kampf gegen Nazi-Deutschland besprechen. Roosevelt suchte nach Wegen, um das Bündnis seinen Landsleuten "schmackhaft" zu machen, schreibt Mark Mazower, Leiter des "Center for International History" der Columbia Universität in New York, in seinem neuen Buch. Um "Gefahren für die zivilisierte Welt" abzuwenden, dachte man damals in London über die Gründung einer internationalen Organisation nach. Im Unterschied zum gescheiterten Völkerbund sollte sie die USA dazu verpflichten, "nach dem Krieg gemeinsam mit uns als Weltpolizisten" aufzutreten, bis Ordnung und Sicherheit wiederhergestellt seien. Tatsächlich beendete Roosevelt den bisherigen isolationistischen Kurs der USA, entschied sich für eine Politik der Internationalisierung und stimmte der Gründung der Vereinten Nationen zu.

In seinem exzellenten Buch beschreibt Mazower, warum internationale Konferenzen und Organisationen, wie der Wiener Kongress von 1815, der Völkerbund oder die Vereinten Nationen ins Leben gerufen wurden und was zu ihrem Scheitern führte. Kritisch bewertet er die Wirklichkeit des Kalten Krieges, als die Großmächte USA und Sowjetunion das Völkerrecht entsprechend ihren nationalen und ideologischen Interessen instrumentalisierten.

Die Rolle internationaler Experten-Netzwerke und Nichtregierungsorganisationen (Global Governance) als Ersatz für die Vereinten Nationen lehnt der Historiker ab. Nachdrücklich plädiert er für den Erhalt der UNO, denn sie werde auch von der neuen Weltmacht China respektiert. Mazower fordert Regierende und Volksvertreter auf, ihren Auftrag wahrzunehmen und ihre Verantwortung nicht an Experten, Beamte und andere Akteure ohne politisches Mandat abzugeben.

Mark Mazower:

Die Welt regieren. Eine Idee und ihre Geschichte.

C.H. Beck Verlag, München 2013; 464 S., 27,95 €

Aus Politik und Zeitgeschichte

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