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Vor 60 Jahren...
Benjamin Stahl
Gegenspieler der Nato

14.5.1955: "Warschauer Pakt" gegründet

Eine Meldung vom Mai 2015 erinnert an längst vergangene Zeiten: Die Nato hat angesichts der jüngsten Spannungen mit Moskau wegen des Ukraine-Konflikts einen direkten Draht zum russischen Militär eingerichtet. Schon ab 1962, während der Kuba-Krise, unterhielten die USA und die Sowjetunion eine ständige Fernschreiberverbindung zwischen ihren Militärs. Die "Rotes Telefon" genannte Verbindung wurde zum Symbol für den Ost-West-Konflikt, dessen Blockbildung endgültig am 14. Mai 1955 vollzogen wurde: In Warschau unterzeichneten damals die UdSSR, Polen, die Tschechoslowakei, Bulgarien, Ungarn, Rumänien, Albanien und die DDR den "Vertrag über Freundschaft, Zusammenarbeit, und gegenseitigen Beistand" - den "Warschauer Pakt".

Das Militärbündnis der kommunistischen Staaten, das DDR-Ministerpräsident Otto Grotewohl einen "Beitrag zum Frieden" nannte, war eine Reaktion Moskaus auf den Nato-Beitritt der Bundesrepublik wenige Tage zuvor. Die Sowjetunion schuf mit dem "Warschauer Pakt" nicht nur ein Gegengewicht zur Nato. Sie festigte auch ihren Führungsanspruch gegenüber ihren Satellitenstaaten: Oberbefehlshaber über die Streitkräfte war immer ein sowjetischer Marschall, zudem konnten Sowjet-Truppen in allen Mitgliedstaaten stationiert werden. Sämtliche Streitkräfte der DDR unterstanden dem "Vereinten Oberkommando". Zu einem echten militärischen Konflikt mit der Nato kam es bekanntlich nie. Mit Ende des Ostblocks löste sich der Pakt 1991 auf.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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