Inhalt

Vor 40 Jahren...
Benjamin Stahl
Eintrittsgeld für die DDR

9.10.1980: Erhöhung des Zwangsumtauschs Wer aus dem Westen in die DDR einreisen wollte, musste erst einmal zahlen: "Verbindlicher Mindestumtausch" hieß die Regelung in der DDR, wonach Besucher einen fixen Betrag in Ost-Mark wechseln mussten. Das Regime hatte sich so eine einfache Einnahmequelle und ein Mittel gegen die Devisenknappheit im Land erschlossen. Am 9. Oktober 1980 wurde der Tagessatz des Mindestumtauschs ein letztes Mal erhöht.

25 D-Mark pro Person und Reisetag wurden fortan fällig. Für Kinder bis 16 Jahre und Rentner galt ein ermäßigter Satz. Getauscht wurde im Verhältnis 1:1, der tatsächliche Wechselkurs lag allerdings bei 1:5 - eine West-Mark für fünf Ost-Mark. Bei der Einführung des Zwangsumtauschs 1964 lag der Tagessatz für Reisen nach Ost-Berlin noch bei drei, für Reisen in das übrige DDR-Gebiet bei fünf D-Mark. 1973 folgte eine massive Erhöhung auf zehn beziehungsweise 20 D-Mark. Ab 1980 wurde nicht mehr zwischen Ost-Berlin und dem Rest der DDR unterschieden. 4,5 Milliarden D-Mark nahm das DDR-Regime bis zum Mauerfall auf diese Weise ein. An eine Senkung oder gar Abschaffung des Mindestumtauschs dachte man nicht: 1983 argumentierte das SED-Zentralkomitee, die Kaufkraft der D-Mark sei "im Verlaufe von zwölf Jahren auf rund 54 Prozent gesunken", während in der DDR "die Preise stabil geblieben" seien. Der "sozialistische Staat" stelle dafür "steigende Mittel aus gesellschaftlichen Fonds" zur Verfügung - auch West-Touristen kämen "in den Genuss dieses Vorteils der Sozialpolitik der DDR".

Aus Politik und Zeitgeschichte

© 2020 Deutscher Bundestag