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Ulrike Claßen
Neun Monate für das Vaterland

bundeswehr Für viele Jungs geht es von der Schulbank in die Kaserne. Ein Ortstermin im westfälischen Unna

Donnerstag 10.30 Uhr: Hinter dem rot-weißen Schlagbaum an der Einfahrt der Glückauf-Kaserne beginnt eine eigene Welt. Hier steht man stramm, wenn ein Vorgesetzter wie Hauptmann Becker den Raum betritt, führt die Hand zum Gruß an die Schläfe und folgt Anweisungen, die hier Befehle heißen, und mit einem zügigen "Jawohl" erwidert werden, ohne Widerspruch.

Wie in jeder Kaserne beginnt auch beim Logistikbataillon 7 im westfälischen Unna der Soldatentag früh. Pünktlich um 7 Uhr müssen die 1.300 Kameraden nach dem Frühstück zum Appell antreten. Einer von ihnen ist der 22-jährige Robert Wiesniewski, der in der Instandsetzung arbeitet und daher häufig den Blaumann über seiner Bundeswehruniform trägt. Die Halle, in der er arbeitet, sieht aus wie eine sehr große Kfz-Werkstatt. Statt Autos stehen hier allerdings ein Leopard-Panzer, bei dem eine Scheibe gewechselt werden muss, und ein Geländewagen vom Typ Wolf.

Auf Zeit verpflichten

"Es war schon immer ein Kindheitstraum von mir, Soldat zu sein. Karneval bin ich häufig als Soldat gegangen", erzählt Wiesniewski. Auch der Soldatenalltag hat nichts an seinem Wunsch geändert: Der junge Mann, der seit acht Monaten dabei ist, plant, sich nach dem Wehrdienst für acht Jahre als Soldat auf Zeit verpflichten zu lassen. Genau wie Christoph Wegener, der unter anderem für die Waffenkammer der Kaserne verantwortlich ist. Der 23-jährige Wegener hat den Antrag, als Zeitsoldat bleiben zu dürfen, bereits gestellt.

Björn Bader ist schon 14 Monate bei der Bundeswehr: Ihm hat es hier so gut gefallen, dass er beschlossen hat, seinen Wehrdienst über die neun Pflichtmonate hinaus auf 23 Monate zu verlängern. Zeitsoldat will er allerdings nicht werden. Er will lieber zum Zoll oder Medienwissenschaft studieren. Fabian Butzbach plant ebenfalls ein Studium, um Lehrer für Deutsch und Sport zu werden. Auch er hat seine Grundwehrzeit auf 23 Monate verlängert. So überbrückt er die Zeit bis zu seinem Studium. "Durch die Verlängerung habe ich mein Studium jetzt schon finanziert", sagt der 21-Jährige stolz. Denn: Eine Verlängerung des Wehrdienstes lohnt sich; nach den neun Pflichtmonaten gibt es deutlich mehr Sold.

Und was ist das Besondere bei der Bundeswehr? "Hier hält wirklich jeder zu jedem", sagt Bader begeistert. Seine Kameraden sehen das genauso. In vielen Situation sind die Männer aufeinander angewiesen - etwa bei kilometerlangen Märschen oder Trainingslagern im Wald. Da entwickelt sich schnell ein besonderer Zusammenhalt. "Jeder hat dem anderen geholfen, ohne dass dieser darum bitten musste", versucht Bader das besondere Gemeinschaftsgefühl in Worte zu fassen. Gemeinsam haben die jungen Soldaten außerdem, dass sie früh verantwortungsvolle Posten innehaben.

Was nimmt man mit von der Zeit bei der Bundeswehr? "Selbständigkeit, Disziplin, sicheres Auftreten und das korrekte Verhalten gegenüber Vorgesetzten", zählt der 24-jährige Dominik Zollhofer auf. Keiner von den jungen Soldaten hat es bereut, sich für die Bundeswehr und gegen den Zivildienst entschieden zu haben, schließlich sei man froh, hier eine sinnvolle Beschäftigung zu haben. Wer die fünf jungen Soldaten in Unna so reden hört, könnte gar meinen, all die, die nicht bei der Bundeswehr waren, haben etwas Entscheidendes in ihrem Leben verpasst.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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