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Lisa Emele
»Lieber Staat, ich fühle mich rundum wohl in Dir«

songtexte Jede Generation hat ihre Musik - und doch sind Themen und Texte häufig lange nicht so unterschiedlich. Ein Vergleich von 1968 bis 2008

Erwachsene mosern gerne über die Musik der Jugend. Das war vor 30 Jahren nicht anders. Lisa Emele, 16, hat Hits verglichen:

Herbert Grönemeyer, Jetzt Oder Nie

(1984)

Kämpfen für ein Land,

wo jeder noch reden kann.

Herausschrein, was ihm weh tut.

Wer ewig schluckt, stirbt von innen.

Jetzt oder nie...

Es tut so gut, wenn dir die Seele brennt,

du auf die Straße rennst

und du zeigst, es geht dir nicht gut,

dass dir der Kopf zerspringt

und du weißt, dass du was tun musst.

Söhne Mannheims, Babylon System (2004)

Nenn mich ruhig einen Staatsfeind,

Denn ich weiß nicht, ob er es gut meint.

Oh mann, ich gönn ihm seine Auszeit,

Damit die Steuerlast mal ausbleibt

Und man die Scheiße aus ihm raustreibt!

Denn jeder Staat,

außer dem Ameisenstaat,

ist mein Feind.

Die Ärzte, Ich will dich

(1988)

Sie sagt, ich sei intelligent und dass ich zum Glück,

nicht nur an das eine denke.

Ich nicke viel und bin ganz Ohr,

und stell' sie mir dabei schon im Nachthemd vohohor.

Mädchen, ich will Dich.

Tocotronic, Über Sex kann man nur auf Englisch singen (2006)

Über Sex kann man nur auf Englisch singen

Über Sehnsucht kann man nur schlechte Lieder schreiben

man neigt doch sehr dazu zu übertreiben

und doch man tut es ungefähr

mit jedem Lied ein bisschen mehr.

Peter Maffay, Andy-Träume sterben jung (1993)

Ich weiss nicht mehr genau,

An welchem Tag es damals wohl war,

Als wir uns kennenlernten.

Ich weiss nur eins,

Dass er mir heute sehr fehlt.

Er war einfach da

Und es gab zwischen uns

Ein stilles Einverständnis,

So was gibt's im Leben nicht sehr oft.

Tomte, Das war ich (2003)

Und der Tag, an dem du laufen lernst

werden wir zusammen gehen

Bis zu meiner Trauer und zurück.

Denn es kommt mir manchmal so vor,

als wäre nicht genug alleine für mich da.

Wenn es nicht mehr geht, leihe ich dir ein Ohr

und das hier ist die Welt, bitte sei stark...

Ton, Steine, Scherben, Macht kaputt, was euch kaputt macht (1970)

Bomber fliegen, Panzer rollen,

Polizisten schlagen, Soldaten fallen,

Die Chefs schützen, Die Aktien schützen,

Das Recht schützen, Den Staat schützen.

Vor uns!

Macht kaputt, was euch kaputt macht!

Macht kaputt, was euch kaputt macht!

Farin Urlaub, Lieber Staat (2001)

Lieber Staat, ich fühle mich so rundum wohl in Dir.

Lieber Saat, es weht ein Wind von Freiheit hier.

Du erklärst mir immer wieder, was erlaubt ist und was nicht.

Lenkst mein Leben jeden Tag und bist furchtbar fürsorglich.

Ach, was wär ich ohne Dich.

Danke, dass Du mich regierst,

Danke, dass Du mich regierst

Und dass Du mich nicht ignorierst

Herbert Grönemeyer, Kinder an die Macht (1986)

Gebt den Kindern das Kommando,

Sie berechnen nicht, was sie tun,

Die Welt gehört in Kinderhände,

Dem Trübsinn ein Ende.

Wir werden in Grund und Boden gelacht,

Kinder an die Macht,

Sie sind die wahren Anarchisten.

Die Toten Hosen, Die letzte Schlacht (2008)

Auf der Suche nach der Norm

Forscht man uns akribisch aus,

Speichert Informationen

Über unseren Lebenslauf.

Was wir tun und was wir lassen,

Wie wir denken, wie wir fühlen

Was wir mögen,

Was wir hassen am System.

Juliane Werding, Am Tag Als Conny Kramer Starb (1972)

Wir lagen träumend im Gras,

Die Köpfe voll verrückter Ideen.

Da sagte er nur zum Spaß,

Komm' lass' uns auf die Reise geh'n.

Doch der Rauch schmeckte bitter,

Aber Conny sagte mir, was er sah,

Ein Meer von Licht und Farben,

Wir ahnten nicht,

Was bald darauf geschah.

Deichkind, Aufstand im Schlaraffenland (2006)

Aufgequollene, fette Frauen

naschen am Spagetti-Baum.

Am weißen Strand aus Kokain

sonnen sie sich und ziehn ziehn ziehn!

Ich trink vom Wodka-Wasserfall,

Zieh durch's Land und mach Krawall.

Ich zünd den ganzen Laden an,

weil ich's nicht mehr ertragen kann!

Heintje, Mama (1968)

Tage der Jugend vergehen

Schnell wird der Jüngling ein Mann

Träume der Jugend verwehen

Dann fängt das Leben erst an

Mama ich will keine Träne sehen

Wenn ich von dir dann muss gehen

Mama, Du sollst doch nicht um deinen Jungen weinen.

Die Ärzte, Junge (2008)

Junge, warum hast du nichts gelernt?

Guck dir den Dieter an, der hat sogar ein Auto.

Warum gehst du nicht zu Onkel Werner in die Werkstatt?

Der gibt dir ne Festanstellung, wenn du ihn darum bittest. Junge...

Und wie du wieder aussiehst, Löcher in der Hose und ständig dieser Lärm

(Was soll'n die Nachbarn sagen?)

Und dann noch deine Haare, da fehlen mir die Worte

Musst du die denn färben?

(Was solln die Nachbarn sagen?)

Wie kommst du nach Hause, wir wissen nicht mehr weiter.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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