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Angelesen
Aschot Manutscharjan
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Führen Demokratien weniger Kriege als autokratische Regierungssysteme? Eindeutig nein, meint der Berliner Politikwissenschaftler Wolfgang Merkel in seinem Beitrag des Sammelbandes "Externe Faktoren der Demokratisierung". Denn auch Demokratien führen Angriffskriege. Besonders aktiv seien die ehemaligen Kolonialmächte Frankreich und Großbritannien, aber auch die Hegemonialmacht USA: so gingen zwischen 1946 und 2004 die USA 14 Mal, Frankreich achtmal und Großbritannien siebenmal militärisch gegen andere Staaten vor.

Dienen Kriege als Geburtshelfer von Demokratien? Die Statistik beantwortet diese Frage mit einem klaren Ja: In der Regel zwinge nur eine Niederlage autokratische Regime zum Verzicht auf die Macht. Abgelöst würden sie dann oft von demokratischen Systemen. Allerdings zweifelt Merkel an der Stabilität von gewaltsam eingeführten Demokratien. Nach Analyse der humanitären und demokratischen Interventionen kommt der Autor zu dem Ergebnis, dass Amerikaner und Briten nach der Eroberung des Irak zu einer "gerechten Besatzung" verpflichtet seien. Ein frühzeitiger Abzug wäre eine "flagrante Verletzung" dieser Nachkriegspflichten.

Gero Erdmann, Marianne Kneuer (Hg.):

Externe Faktoren der Demokratisierung.

Nomos Verlagsgesellschaft, Baden-Baden 2008; 340 S., 59 €

Aus Politik und Zeitgeschichte

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