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Johanna Metz
Unverschleierte Debatte

FRANKREICH Parlament erwägt Verbot von Burkas

Vor fünf Jahren wurde in Frankreich das Kopftuch für muslimische Schülerinnen an staatlichen Schulen verboten - ein heftig umstrittener Schritt. Jetzt erwägt das Land auch das Tragen von Gesichtsschleiern in der Öffentlichkeit zu untersagen. Dabei geht es auch um Burkas, die die Trägerin von Kopf bis Fuß verhüllen und sogar die Augen mit einem Gitter verdecken. Sogenannte Nikabs, die die Augen freilassen, stehen ebenfalls in der Diskussion. "Sollte es sich zeigen, dass das Tragen der Burkas unfreiwillig ist, dann wird das Parlament natürlich die Konsequenzen ziehen", sagte Regierungssprecher Luc Chatel am 19. Juni im französischen Fernsehen.

Burkas und Nibas haben sich in den vergangenen Jahren zunehmend verbreitet. Daher fordern rund 60 der insgesamt 770 französischen Abgeordneten jetzt einen parlamentarischen Untersuchungsausschuss zur Burka. Er soll das Phänomen und die Motivation ihrer Trägerinnen untersuchen.

Die Regierung ist in der Frage gespalten und auch die Muslimorganisationen sind sich uneins. Die für die Einwandererviertel zuständige Staatssekretärin Fadela Amara forderte ein Totalverbot der "Särge der Freiheit", wie sie die Burkas nannte. Der in Marrakesch in Marokko geborene Minister für Einwanderung und Nationale Identität, Eric Besson, hält es dagegen "nicht für opportun, die Polemik über die religiösen Symbole neu zu entfachen".

Islamforscher weisen darauf hin, dass Musliminnen die Burkas in der Regel freiwillig aus ihrem tiefen Glauben heraus tragen. Der Professor für arabische Zivilisation, Mohamed-Cherif Feriani, sagte, manche Mädchen in Einwanderervierteln wählten die Schleier, weil sie sich dann stärker geachtet fühlten.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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