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Kurz rezensiert
Aschot Manutscharjan
Angelesen

2,35 bis drei Millionen polnische Juden und etwa 1,4 Millionen ethnische Polen - jeder siebte Bürger Polens - fielen dem deutschen Angriff und der mehr als fünf Jahre dauernden Besatzung zum Opfer. Jochen Böhler, der am Deutschen Historischen Institut in Warschau arbeitet, hat sich vorgenommen, den 22 deutschen und polnischen "Mythen" nachzugehen, die sich um den deutschen Angriff auf Polen ranken, in Gesellschaft und Literatur gepflegt und von der Politik noch instrumentalisiert werden.

Obwohl schon andere Wissenschaftler die Legenden enttarnten, bleibt es das Verdienst des deutschen Historikers, sie im Zusammenhang dargestellt und auf ihren Realitätsgehalt überprüft zu haben: So gab es weder einen "Freischärlerkrieg" der Polen gegen die einmarschierende deutsche Wehrmacht noch eine heldenhafte Attacke der polnischen Kavallerie gegen die deutschen Panzer. Zu den historischen Fakten gehört indes das Massaker an der Zivilbevölkerung von Tschenstochau, verübt von der Wehrmacht, und die von der stalinistischen NKWD begangene Massenhinrichtung polnischer Offiziere in Katyn.

Die vielen informativen Tagebuchnotizen der Zeitzeugen machen das spannende Buch noch lesenswerter.

Jochen Böhler:

Der Überfall. Deutschlands Krieg gegen Polen.

Eichborn Verlag, Frankfurt/M. 2009; 272 S., 19,95 €

Aus Politik und Zeitgeschichte

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