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Jonas Viering
»Wir sind nicht die Umweltpolizei«

DEUTSCHE BANK Nachhaltigkeit steht hoch im Kurs - aber offenbar nicht bei allen Produkten

Stolz ragen die Zwillingstürme der Deutschen Bank aus der Frankfurter City hoch in den Himmel, ein Symbol des Finanzkapitalismus. Jetzt aber werden sie umgebaut - zu einer völlig neuen Art von Symbol. Die Bankzentrale soll eines der weltweit umweltfreundlichsten Hochhäuser werden. Die Heizenergie soll künftig etwa um zwei Drittel verringert werden, das entspricht dem Bedarf von 750 Einfamilienhäusern. "Ein globales Vorbild" für grüne Gebäudesanierung wolle man schaffen, heißt es in der Bank.

Das ist mehr als nur ein Werbegag. In mehreren europäischen Ländern deckt die Deutsche Bank ihren Bedarf an Strom und Wärme bereits komplett aus erneuerbaren Energien. Im vergangenen Jahr hat sie beschlossen, ihre weltweiten CO2-Emissionen um jährlich zwanzig Prozent zu senken und ab 2013 klimaneutral zu arbeiten. Ein ehrgeiziges Ziel, auch wenn der Konzern nur Büros und Filialen statt Fabriken hat. Die Bank setzt auf Grün. "Wir sehen das nicht als aktuelle Mode", sagt Hanns Michael Hölz, oberster Nachhaltigkeitswächter der Bank. "Der Klimawandel ist ein Megatrend, der Einfluss auf sämtliche Geschäfte hat."

Auch wo es nur um eine hübschere Außendarstellung geht, steht ein hartes Ziel dahinter: die Verbesserung im Wettbewerb. Beim Lobbying nützt es Umwelt und Unternehmen, dass die Deutsche Bank als Klimabotschafter auftritt. Um so mehr gilt das bei nachhaltigen Geldanlagen, laut Hölz "ein enorm wachsender Markt". Auch bei Windparks und Solaranlagen rühmt sich die Deutsche Bank, in Europa der größte Finanzierer zu sein.

Wichtigster Hebel zur Rettung des Planeten sind für eine Bank ihre Kredite. Die sind ihr Produkt. Und von dieser Seite erscheint die Deutsche Bank teils gar nicht grün. Sie habe dem indisch-britischen Minenkonzern Vedanta zu frischem Geld verholfen, mit dem das Unternehmen bei Projekten wie dem Bauxitabbau zur Aluminiumgewinnung in Indien die Umwelt zerstöre, sagt Heffa Schücking von der Organisation "urgewald". Auf der Liste der Klagen stehe auch der schmutzige Uranabbau durch das Unternehmen Areva im afrikanischen Niger: "Skrupellos" sei die Deutsche Bank in ihrem Kerngeschäft, wo sie die Nachhaltigkeit opfere, um im Wettbewerb um die höchste Rendite zu siegen.

Die Bank selbst möchte zu ihren Kunden nichts sagen. Beim Risikomanagement spielten die Faktoren Umwelt und Soziales durchaus eine Rolle, betont Hölz. Aber: "Wir sind nicht die Umweltpolizei." Bei einigen Projekten - wie etwa dem in einem Erdbebengebiet geplanten bulgarischen Atomkraftwerk Belene - hat sich die Deutsche Bank aus der Finanzierung zurückgezogen. Damit schaffte es die Bank, im Ranking der Oekom Research AG, einer Rating-Agentur für nachhaltige Anlagen, bei denBanken von Platz 65 auf Platz sieben zu kommen. Sie "punktet beim betrieblichen Umweltschutz und teils auch mit Produkten wie Mikrokrediten", erklärt der Analyst Dietrich Wild. Bei der Prüfung von Finanzierungen mit dem Maßstab ökologischer Nachhaltigkeit habe die Deutsche Bank Nachholbedarf. Dass es auch besser geht, zeigt der Konkurrent Hypo-Vereinsbank. Statt weicher Willenserklärungen hat sie harte Kriterien für die Vergabe von Krediten aufgestellt. Und schmückt sich nun mit dem Platz Eins des Oekom-Ratings.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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