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Katrin Lechler
Kurz notiert

"Angie ist das Beste, was Deutschland Europa zu bieten hat", jubelte Rafal Wos von der rechtsliberalen polnischen Tageszeitung Dziennik nach der Bundestagswahl. Eine CDU-Frau an der Spitze Deutschlands garantiere eher Stabilität als die seit Jahren kriselnde SPD. "Merkel hat in den vergangenen Jahren ein Vertrauenskapital in Polen aufgebaut und damit sind die Chancen für bessere deutsch-polnische Beziehungen gut", schrieb Wos.

Von der Koalition mit der FDP verspricht sich selbst die traditionell linksliberale Gazeta Wyborcza Schwung für die Wirtschaft. "Eine stabile Regierung ist wichtig, denn auf Deutschland kommen schwere Zeiten zu." Und eine stärkere Wirtschaft sei auch für Polen, das eng mit der Bundesrepublik zusammenarbeite, eine gute Nachricht.

Kein Kurswechsel

Auch mit einem Außenminister Guido Westerwelle erwarten die polnischen Medien keinen Kurswechsel in der Außenpolitik. Entscheidend ist, dass sich der FDP-Chef schon früher gegen Erika Steinbach im Rat der Stiftung "Flucht, Vertreibung, Versöhnung" ausgesprochen hat. Das geplante Museum gegen Vertreibungen unter dem Titel "Sichtbares Zeichen" solle kein deutsch-polnischer Zankapfel mehr sein, wird aktuell ein Mitarbeiter Westerwelles zitiert. Steinbach ist quer durch alle Bevölkerungsschichten ein rotes Tuch in Polen. Ihr wird vorgeworfen, ein revisionistisches Geschichtsbild zu befördern. Viele befürchten daher, Steinbachs Wiederwahl als CDU-Bundestagsabgeordnete, aber auch das schwarz-gelbe Bündnis könnten das deutsch-polnische Verhältnis belasten. Die Sozialdemokraten hatten sich deutlich gegen Steinbach positioniert.

Der polnische Premier Donald Tusk ist trotzdem "relativ zufrieden" mit dem Wahlergebnis im Nachbarland: Die Kanzlerin sei bisher als Freundin Polens aufgetreten. Auch die FDP dürfte aus polnischer Sicht kein schwierigerer Partner sein als die Sozialdemokraten, sagte Tusk der Presse. Präsident Lech Kaczynski dagegen hofft, dass der Regierungswechsel in Deutschland "nicht ungünstig für sein Land" sei: "Die Probleme zwischen Polen und Deutschland bleiben und wir müssen sie auf beiden Seiten lösen".

Dazu gehört auch, dass Polen allzu herzliche Beziehungen zwischen Deutschland und Russland als Bedrohung empfindet. Jenseits der Oder wird jede wirtschaftliche Verflechtung beider Länder wachsam verfolgt - so wie jetzt die Magna-Beteiligung an Opel, hinter der auch Gelder der russischen Sherbank stehen.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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