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Interview mit Ekin Deligöz (Grüne), Vorsitzende der Kinderkommission des Bundestages
FÜnf FRAGEN ZUR: JUGENDWAHL U18

Die Kinderkommission war Schirmherrin der Initiative Jugendwahl U18. Was war Ihre Aufgabe?

Unser Gremium leistet Lobbyarbeit für Kinder und deren Rechte. Und das haben wir auch in diesem Fall gemacht. Wir haben für die Initiative vor allem die Werbetrommel gerührt. Dass so viele Jugendliche teilgenommen haben, zeigt doch, dass sie sich für Politik interessieren.

Das Ergebnis der Jugendwahl (Text rechts) unterscheidet sich deutlich vom Ergebnis der Bundestagswahl. Wie erklären Sie sich das?

Ich denke, es hat vor allem mit der Wahrnehmung der Umwelt zu tun. Kinder und Jugendliche denken nicht so sehr über die Rente mit 67 nach. Womöglich machen sie sich auch darüber Gedanken, aber es ist ein abstraktes Thema, das sehr weit weg ist. Umweltschutz, Tierschutz, das ist für Jugendliche sehr konkret. Das sind Themen, die sie berühren. Und es sind Themen, für die sich Jugendliche selber engagieren können. Ich selber bin auch über eine Umweltgruppe in die Politik gekommen.

Was ist für Sie das wichtigste Ergebnis der Wahl?

Die Zahlen zeigen, dass gerade die Jugendlichen ab 16 Jahren sich sehr für ihre Umwelt interessieren und politisch sehr sensibilisert sind. Es ist unsere Aufgabe und Aufgabe der Schulen und Jugendeinrichtungen, darauf einzugehen und Möglichkeiten zur Mitsprache, zur Teilhabe zu schaffen. Mir ist wichtig, dass die jungen Menschen sich als Teil des demokratischen Systems sehen und sich ernst genommen fühlen.

Ein Plädoyer für die Herabsetzung des Wahlalters?

Ja, das Wahlalter müsste meines Erachtens auf 16 Jahre gesenkt werden, unabhängig davon, wie viele der 16-Jährigen zur Wahl gehen. Darum geht es nicht. Wir haben auch über 70-Jährige, die nicht zur Wahl gehen. In einem Land wie Deutschland, in dem die Menschen immer älter werden, müssen wir tatsächlich darüber nachdenken, wie wir das Thema Generationengerechtigkeit stärker in den Vordergrund stellen und die Jugendlichen in ihren Mitbestimmungsrechten stärken können. Das Wahlrecht ab 16 Jahren ist da eine gute Option.

Welche Schlüsse kann die Kinderkommission für ihre Arbeit ziehen?

Wir sollten alle Initiativen, die zivilgesellschaftliches Engagement von jungen Menschen stärken, unterstützen. Jugendliche, die mit ihrem Engagement Erfolg haben, neigen später nicht so stark zur Politikverdrossenheit. Sie erfahren Politik als etwas Positives. Es wäre deshalb wichtig, dass es auch in dieser Wahlperiode eine Kinderkommission gibt. Auch wenn wir im parlamentarischen Geschehen nicht immer so wirkungsvoll arbeiten können, stellt die Kinderkommission nach außen eine wichtige Größe dar.

Die Fragen stellte

Nicole Tepasse

Aus Politik und Zeitgeschichte

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