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Kurz rezensiert
Helmut Lölhöffel
Angelesen

Allenfalls ein Zehntel des Buches "Urbi et Gorbi. Christen als Wegbereiter der Wende" von Joachim Jauer handelt wirklich davon, ob Christen den Zusammenruch des ehemaligen Ostblocks beeinflusst haben. Irgendwo steht, der gewaltlose Protest in der DDR sei "christlich inspiriert" gewesen. An anderer Stelle ist zu lesen, der "Aufbruch zur deutschen Einheit" sei von zwei Kirchen in Budapest und Leipzig "ausgegangen". Schlüssig belegt sind diese Hypothesen nirgends. Dass mutige Christen als Wegbereiter dabei waren, ist unbestreitbar. Aber dass der sowjetische Generalsekretär Michail Gorbatschow und der polnische Papst Karol Wojtila zeitweise parallel den Umbau zur Demokratie anschoben, reicht nicht aus, um die beim Leser erweckte Erwartung zu erfüllen. Abgesehen davon bieten die reportageartigen Beobachtungen und Darstellungen eines der kenntnisreichsten journalistischen Zeitzeugen der Umbrüche in Osteuropa jedoch einen runden Rückblick auf die dramatischen Ereignisse Ende der 1980er Jahre. Joachim Jauer war auf allen Schauplätzen dabei und hat seine Erlebnisse und die erstaunlichen Wandlungsprozesse mit feinem Sinn für das Besondere beschrieben.

Joachim Jauer:

Urbi et Gorbi. Christen als Wegbereiter der Wende.

Verlag Herder, Freiburg 2009; 344 S., 19,95 €

Aus Politik und Zeitgeschichte

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